Gedenken an die Reichspogromnacht vor 80 Jahren

Quelle: Karin Wilke
Friedenslichter
Am 9. November 2018 jähren sich zum 80. Mal die Schrecken der Reichspogromnacht. In Deutschland ereignete sich am 9. November 1938 ein angeordneter, geballter Anschlag auf jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt. Geschäfte wurden zerstört, Synagogen in Brand gesteckt, Menschen wurde ihr Besitz, ihr Ansehen und ihre Würde genommen. Viele ließen sich von der gezielt aufgeheizten Stimmung anstecken, andere schauten weg, wenige wagten öffentlichen Widerspruch und Widerstand.
 
Neben all den grausamen Ausschreitungen und Grenzüberschreitungen, zu denen es an diesem Abend deutschlandweit gekommen ist, war diese Pogromnacht auch ein perfider Test, wie weit man gehen kann, um Massen für massives Unrecht zu mobilisieren und jede Form von Zivilcourage auszuschalten. Der Erfolg war erschreckend.
 
Als evangelische Christinnen und Christen wollen wir an diesem Tag mit den Opfern und ihren Nachkommen gedenken, den gegenwärtigen Hetzern und ihren Verbündeten unerschrocken und öffentlich widersprechen und im Gebet bleiben, das um Vergebung bittet und den Frieden sucht.

Martina Reister-Ulrichs, stellvertretende Dekanin
 
Ein Gebet zum 9. November

Du Gott Israels, Richter der Welt,
wir gedenken heute der Nacht,
die das Fanal gab zum gewalttätigen Aufruhr
gegen dich und das jüdische Volk, das du dir erwählt hast.
Wir können nicht ermessen,
was schon in jener Nacht zerstört worden ist,
als die Synagogen brannten,
als deine Tora in den Schmutz getreten wurde,
als Menschen, die in Deutschland heimisch waren,
Besitz, Schutz und Gewissheiten verloren
und die Gewalttäter und Beisteher ihr Gewissen.
Die Bilder und Erinnerungen wühlen uns auf.
Die Berichte der Opfer beschämen uns,
die Unbußfertigkeit vieler Täter empört uns,
und eine wachsende Judenfeindschaft in der Völkergemeinschaft
fordert von uns Wachsamkeit und Widerstand.
Ewiger Gott, du hältst deinem Volk die Treue.
Fall allen in den Arm, die es erneut mit Vernichtung bedrohen.
Festige den Zusammenhalt von Christen und Juden in unserem Land
und überall auf der Erde.
Gib uns Anteil an deinem Segen.
Gib uns Anteil an deinem Schalom
Und gedenke, Herr, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte,
die von Ewigkeit her gewesen sind.
Gott des Lebens, Dir vertrauen wir uns an.
 
Karin Wilke
Pressereferentin EkiHD
Quelle: Karin Wilke