Menschen

Gottesdienst über Menschen und ihre Geschichten

Aktuell

Menschsein ist vor allem die Hauptsache

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki
Texte und Töne zum 100. Todestag von Rosa Luxemburg

Sonntag, 10.3.2019, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

CityGottesdienst zum 100. Todestag von Rosa Luxemburg
Texte: Renate Wind, Töne: Michael Kuch
Liturgie: Citypfarrer Vincenzo Petracca
 
Menschsein ist vor allem die Hauptsache ...
schrieb Rosa Luxemburg au
Quelle: Citykirche Heiliggeist
s dem Gefängnis an eine Freundin und Mitstreiterin. Die radikale Sozialistin und Pazifistin beschrieb mit diesem einfachen Satz das Herzstück ihres leidenschaftlichen Engagements für Gerechtigkeit und Frieden. Ihre Solidarität galt ausdrücklich allen, denen Recht, Würde und Leben vorenthalten wurden, sie war "überall zu Hause, wo Menschentränen geweint werden", und sie schloss in ihre kämpferische Liebe auch Tiere und Pflanzen ein.
Anlässlich ihres gewaltsamen Todes vor 100 Jahren erinnern wir an sie und ihre revolutionäre Hoffnung auf eine Welt ohne Gewalt.  
 
Renate Wind wurde mit dem „Evangelischen Buchpreis“ für ihre Bonhoeffer-Biografie ausgezeichnet.
Michael Kuch ist Professor für Systematische und Praktische Theologie in Nürnberg sowie Organist und Pianist. 
 

Gottesdienst zum 110. Geburtstag von Hilde Domin

Sonntag, 17.11.2019, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

CityGottesdienst zur Friedensdekade
Texte: Marion Tauschwitz
 

Rückblick

"Man hält die Sonne nicht auf"  - Die Weiße Rose

CityGottesdienst mit Texten und Tönen zum 100. Geburtstag von Hans Scholl 

Heiliggeistkirche, 16.9.2018, 11 Uhr

Texte: Renate Wind 
Töne: Michael Kuch
Liturgie: Vincenzo Petracca
 
Sie sollten zur deutschnationalen Elite erzogen werden, doch sie fanden auf verschiedenen Wegen
Quelle: Friedensbibliothek Berlin
in den Widerstand gegen das Naziregime. Sie waren weltoffene und freiheitsliebende Kosmopoliten, die für das Leben und das Recht aller Menschen eintreten wollten. Das machte sie zu Gegnern der deutschen Herrenmenschen und ihrer brutalen Vernichtungspolitik. Der ungleiche Kampf fand seinen Höhepunkt am 18.Februar 1943; während Goebbels im Sportpalast den "totalen Krieg" ausrief, wehte das letzte Flugblatt der Weißen Rose durch den Lichthof der Münchener Universität, der Protest gegen "das furchtbare Blutbad, das sie im Namen von Freiheit und Ehre der deutschen Nation in Europa angerichtet haben."
Der Konzertgottesdienst erinnert zum 100. Geburtstag von Hans Scholl an ihn und die anderen Mitglieder der Weißen Rose, die in diesem Widerstand ihr Leben ließen, wie ein Licht, das von der Finsternis trotz allem nicht ausgelöscht werden konnte, denn "man hält die Sonne nicht auf."
 
Texte des Gottesdienstes

Quelle: Prof. Dr. Renate Wind

 

Quelle: privat, Michael Kuch

Konzertgottesdienst "You'll never walk alone - Jesus, Luther, Marx"

Texte und Töne zum 200. Geburtstag von Karl Marx

Sonntag, 27.5.2018, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Anläßlich 500 Jahre Heidelberger Disputation und dem 200. Geburtstag von Karl Marx brachtenn wir Jesus mit Martin Luther und Karl Marx ins Gespräch.
Der CityGottesdienst war eine literarisch-musikalische Spurensuche.

Mit Prof. Dr. Renate Wind (Texte)
Prof. Dr. Michael Kuch (Flügel)
Citypfarrer Dr. Vincenzo Petracca (Liturgie).
  
Predigt von Renate Wind:

Quelle: Prof. Renate Wind

 

„Frauen der Reformation“ – Predigtreihe Heiliggeist 2017

Sonntag , 3.9. bis Sonntag 29.10.2017, jeweils 11 Uhr, Heiliggeistkirche

 

Die Frauen der Reformation werden im Jubiläumsjahr oft vergessen. In der Predigtreihe machen wir ausgewählte Frauengestalten der Reformationszeit (wieder) sichtbar.

Sonntag, 3.9.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Katharina Zell

Prediger: Dr. Vincenzo Petracca

Sonntag, 10.9.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Wilbrandis Rosenblatt

Predigerin: Sigrid Zweygart-Pérez

Sonntag, 17.9.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Argula von Grumbach

Lesungsgottesdienst mit Stephanie Höhner

Sonntag, 24.9.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Katharina von Bora

Predigerin: Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug

Sonntag, 8.10.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Caritas Pirckheimer

Prediger: Prälat Prof. Dr. Traugott Schächtele

Sonntag, 15.10.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Otilie Müntzer

Predigerin: Prof. Dr. Renate Wind

Sonntag, 29.10.,11 Uhr, Heiliggeistkirche
Olympia Fulvia Morata

Predigerin: Dr. Heike Springhardt
 

Und weil der Mensch ein Mensch ist

Texte und Töne vom Menschen von Martin Luther, Bertolt Brecht, Johann Sebastian Bach und Hanns Eisler

Sonntag, 5.3.2017, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Quelle: privat, Renate Wind

Der Gottesdienst im Rahmen des Reformationsjahr enthielt Texte und Lieder über das Menschsein, von Luther, Brecht, Bach und Eisler.
Brecht hat nach eigenem Bekunden an der Sprache Luthers angeknüpft, Eisler an der Musik Bachs, und alle sind auf je eigene Weise von biblischen Traditionen durchzogen.
Es war eine ungewöhnliche literarisch-musikalische Spurensuche!

Mit Prof. Dr. Renate Wind (Texte) und Prof. Dr. Michael Kuch (Flügel). 
 
 
 

Über Grenzen gehen: Dietrich Bonhoeffer  - eine Lebensreise in Texten und Tönen

Konzertgottesdienst zum 110. Geburtstag

Sonntag, der 7. Februar 2016 um 11 Uhr in der Heiliggeistkirche

Dietrich Bonhoeffers Leben war eine fortwährende Grenzüberschreitung aus einer privilegierten Welt in die Gefährdung einer solidarischen Existenz, ein Weg, der ihn in Gefahr und Tod, aber doch auch in eine große Weite und Freiheit geführt hat. Am Ende seiner mutigen Lebensreise wusste er sich in der "Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, von guten Mächten wunderbar geborgen." Der Konzertgottesdienst nahm auf diese Lebensreise mit.
 
Texte des Konzert-Gottesdienstes von Prof. Dr. Renate Wind:
 

Fluchtgeschichten

In der Heiliggeistkirche berichten Eritreer, wie sie zu Flüchtlingen wurden - Citykirche eröffnete gestern mit Landesbischof Cornelius-Bundschuh das Jahresthema „Eine Welt“

Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung am 1.2.2016 von Marion Gottlob

Quelle: Karin Wilke
Die Citykirche Heiliggeist eröffnete ihr Jahresthema „Eine Welt“ mit dem Schwerpunkt auf „Flucht und Wir“.Den Gottesdienst gestalteten der badische Landesbischof Prof. Jochen Cornelius-Bundschuh und Citypfarrer Dr. Vincenzo Petracca in der Heiliggeistkirche.

„Hör auf mein Bitten!“ Klar und rein schwang die Sopranstimme von Janina Staub gestern Morgen durch die Heiliggeistkirche. Es war, als könnte die Hymne von Mendelssohn Bartholdy die Qualen dieser Welt für einen Moment in etwas Neues und Tröstliches verwandeln. Mit diesem Auftakt eröffnete die Citykirche das Jahresthema „Eine Welt“ – es ist zugleich das Thema der Reformationsdekade. Die Heidelberger wiederum setzten mit dem Motto „Flucht und wir“ ihren besonderen Schwerpunkt. Zu Gast war der badische Landesbischof Prof. Jochen Cornelius-Bundschuh mit der Friedensvision: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben.“ 
 
Quelle: Karin Wilke
Gekonnt führte Citypfarrer Dr. Vincenzo Petracca die fast 200 Besucher durch den Gottesdienst: „Wir sind erschüttert über den Handgranatenangriff auf ein Flüchtlingsheim im Schwarzwald. Wir wollen für Frieden und Gerechtigkeit eintreten.Wir vertrauen darauf, dass Hilfe von Gott kommt.“ Die Gemeinde bestätigte: „Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen. Dein Reich komme, dein Reich in Frieden.“ 
 
Heidelberger Flüchtlinge aus Eritrea hatten ihre Erlebnisse für den Gottesdienst notiert. Der afrikanische Staat gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Unter der Militärdiktatur ist die Pflicht zum Militärdienst zeitlich unbegrenzt. Das Christentum ist verboten. Der Eritreer Amanuel berichtet: „Eines Nachts standen bewaffnete Männer an meinem Bett und haben mich inhaftiert. Mir wurde verboten, die Bibel zu lesen und zu beten. Es war unerträglich.“ 14 Jahre war er beim Militär, dann gelang ihm die Flucht: „Ich verließ das Land, das ich so sehr liebe.“ 
Quelle: Karin Wilke
Als die Flüchtlinge das Meer erreichten, mussten sie zwei Monate in einem Raum ausharren, den sie nicht verlassen durften. Filmon sagt: „Am Strand mussten wir kauern. Beim leisesten Geräusch schlugen sie uns mit Gewehren und Stöcken. “Mehr als 250 Menschen wurden auf ein kleines Boot gepfercht. Ein anderer Flüchtling erzählt: „Uns erwischte eine Welle,wir gingen über Bord. Eine Frau und ein Junge ertranken. Ich wurde gerettet – fast jede Nacht wache ich nun schweißgebadet auf – ich habe das Gefühl, zu ertrinken.“ 
 
Marlene Schwöbel-Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche Heidelberg, erinnerte an die wohl berühmtesten Flüchtlingeschichte des Christentums: Josef flüchtete mit Jesus und Maria vor König Herodes nach Ägypten und bewahrte den zweijährigen Jesus vor der Ermordung. Die Bibel wurde schlagartig aktuell. 
 
Landesbischof Prof. Cornelius-Bundschuh bezog sich auf die Reformation: „Das hat die Reformation in die eine Welt einzubringen:Dass Menschen vor Gott um ihre Kraft und ihre Möglichkeiten wissen, aber auch um ihre Grenzen. Jede politische Entscheidung hat ihre Grenzen und birgt das Risiko, schuldig zu werden. Die Erkenntnis warnt uns davor, die eigenen Ansprüche absolut zu setzen oder gar mit Gewalt durchzusetzen.“ 
Quelle: Karin Wilke
Er verurteilte den Handgranatenangriff in der Nacht zum Freitag auf ein Villinger Flüchtlingsheim – und doch hätten sich einige Besucher mehr konkrete, positive Aussagen zum Umgang mit Flüchtlingen gewünscht. 
 
Der Gottesdienst wurde mit der Musik zum wunderbaren Gesamtkunstwerk: Der Afrikachor unter Leitung von Eva Buckman begeisterte mit: „Odzien kosi – Gott ist überall“. Heiliggeistkantor Christoph Schäfer (Orgel) und Thorsten Gellings (Percussion) boten eine Improvisation. Citypfarrer Petracca betete: „Gott, Deinen Geist gieße über uns aus. Damit wir Trauer und Wut über unsere Unfähigkeit, die Welt zu ändern, verwandeln – in ein Handeln, das Barmherzigkeit und Frieden, Gerechtigkeit und Erneuerung ermöglicht.“
 

Texte des Gottesdienstes

Predigt zur Eröffnung des Themenjahres in der Heilig-Geist-Kirche Heidelberg am 31. Januar 2016 von Landesbischof Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh

Jesaja 2, 1-5: Reformation und eine Welt 
Das ist das Wort, das Jesaja, der Sohn des Amoz, geschaut hat über Juda und Jerusalem: Es wird zu der letzten Zeit der Berg, auf dem das Haus des Herrn ist, fest stehen, höher als alle Berge und über alle Hügel erhaben, und alle Nationen werden herzulaufen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: „Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, damit er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Pfaden! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“ Und er wird für Recht sorgen zwischen den Nationen und vielen Völkern Recht sprechen. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Denn es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. Kommt nun, ihr vom Hause Jakob, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn.
Quelle: Karin Wilke
 
Am Ende, liebe Gemeinde, kommt Gottes Gerechtigkeit zu ihrem Ziel: Von Osten und von Westen, von Süden und von Norden ziehen die Menschen herbei, um Gottes Wort zu hören. Das Recht setzt sich durch und es herrscht Frieden unter den Völkern – und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.

Die Vision des Propheten nimmt uns hinein in eine doppelte Bewegung: Gottes Gerechtigkeit erfüllt die eine Welt und zieht zugleich die Völker zu sich. Was am Ende für alle sichtbar sein wird, wird heute schon im Glauben Wirklichkeit. Deshalb: „Auf, kommt herbei, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

„Ach Gott!“ Mit diesen beiden Worten hat der Züricher Strafrechtsprofessor Peter Noll in seinen Diktaten über Tod und Sterben diese Verheißung kommentiert, die die Verse aus dem Jesajabuch uns vor Augen malen.

„Ach Gott!“ Darin steckt Verzweiflung und Skepsis. Die Nachrichten sind voller Gewalttaten. Die Welt kommt nicht zur Ruhe. Mit militärischer Gewalt werden Terror und Krieg bekämpft, doch Leiden und Zerstörung finden kein Ende. Die Spirale dreht sich immer weiter. Die Menschen halten es „in der Heillosigkeit ihres Zusammenlebens nicht mehr aus“ (Gerhard von Rad). Sie fliehen aus ihrer Heimat in die Nachbarländer, manche bis zu uns. Doch die Angst verlässt sie nicht. Fast wäre in Villingen vor einer Flüchtlingsunterkunft eine Handgranate explodiert. „Ach Gott, komm doch, lass deine Welt nicht in all dem Kämpfen versinken.“

„Ach Gott!“ Zwei Worte, die die Verzweiflung zum Ausdruck bringen – und zugleich an der Sehnsucht festhalten. An der Hoffnung, dass Gottes Heil kommt und die Ordnung der Gewalt durchbricht. Dass die Wende gelingt; dass der Mensch dem Menschen nicht länger entweder ein Wolf oder ein Hase sein muss, sondern Gefährte oder Freundin wird. Dass sich ein weiter Horizont eröffnet, eine Zukunft für unsere eine Welt.

„Ach Gott!“ Wir beklagen die Schrecken unserer Zeit - und hoffen und vertrauen doch, dass sie nicht das letzte Wort behalten. Gottes Zukunft kommt auf uns zu; sie hat sich noch nicht durchgesetzt, aber sie erleuchtet schon heute unser Leben. Sie richtet uns aus und gibt uns Zuversicht.

Zum 500. Geburtstag von Martin Luther stand in Wittenberg 1983 ein Amboss im Lutherhof. Ein Schmied machte sich daran, ein Schwert in eine Pflugschar umzuschmieden. Die Menschen, die dabei waren, bestärkte das in ihrem Protest gegen Militarismus und in ihrer Überzeugung: Keine Gewalt! Vielleicht trug die Erfahrung sechs Jahre später bei der Wende mit dazu bei, dass ein Staat sich friedlich verändern ließ, obwohl er starke militärische Mittel zur Verfügung hatte.

Ich habe Jahre später in Halle so eine Aktion miterlebt: Schwerter zu Pflugscharen schmieden. Heiß, sehr heiß muss die Esse sein, damit das Metall wirklich glüht und zu bearbeiten ist. Und der Schmied braucht sehr viel Kraft, wenn er auf das Metall schlägt. Das ist schwerste Arbeit; sie ist laut und heiß und anstrengend.

Gottes Gerechtigkeit zu ihrem Ziel und führt uns zusammen. Aber es ist nicht Gott, der die Schwerter und Spieße zerstört oder umrüstet. Die Völker, wir sind gefragt, mit Abrüstung und Rüstungskonversion ernst zu machen: Was bisher dem Krieg diente, soll nun zum Leben helfen: Schwerter zu Pflugscharen! Spieße zu Winzermessern! Das ist Arbeit, das erfordert Anstrengung und Mut.

Die Zukunft der Kinder der Anderen wird zur eigenen Aufgabe. Einfühlung will gelernt sein. Aufmerksamkeit will geübt sein: dass ich sehe, was der oder die anderen brauchen. So wie in den Projekten von „Ferien vom Krieg“. Sie erhalten heute Nachmittag in Kirchheim den diesjährigen Hermann-Maas-Preis. Jedes Jahr laden sie Menschen aus Konfliktgebieten zu gemeinsamen Ferien vom Krieg ein, z.B. junge Erwachsene aus Israel und Palästina. Manchmal ist es die erste Begegnung mit der anderen Seite. Oft prallen die Einstellungen hart aufeinander und die Gruppen machen sich gegenseitig schwere Vorwürfe. „Mein Bruder ist von euren Leuten ermordet worden.“ Da fließen Tränen und kein Weg scheint vom politischen Streit zum persönlichen Vertrauen zu führen. Aber es kommt zur Begegnung. Die jungen Leute reden und ringen miteinander und manchmal beginnen sie zu ahnen: „Wir sind nicht zum Krieg verdammt!“ (David Grossmann)

Vielleicht verlernt es sich so, Krieg zu führen. Vielleicht lernt sich so Frieden.

Die Gerechtigkeit Gottes kommt zum Ziel. Von Osten und von Westen, von Süden und von Norden kommen die Völker zum Berg Gottes und empfangen die Weisungen Gottes. So wird es sein am Ende der Zeiten, so strahlt es im Glauben schon heute in unsere Welt. „Auf, kommt herbei, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

Quelle: Karin Wilke
Ich erlebe die Ökumene als einen solchen Vorschein dieses Friedensreiches. Wenn Kirchen, Christinnen und Christen über die Grenzen von Sprachen und Kulturen hinweg, ihren Glauben gemeinsam feiern mit Gemeinden anderer Herkunft und Sprache oder bei Besuchen in Partnerkirchen. Wenn wir uns von der Musik der anderen bewegen lassen und im Rhythmus die Kraft und die Lebendigkeit des Glaubens der anderen spüren. Wenn uns die nigerianische Partnerkirche Geschichten ihrer Verfolgung erzählt und sich freut, dass wir zuhören und Wege suchen, wie wir ihnen beistehen können. In all diesen Begegnungen ist die Ökumene für mich wie so ein Fenster, durch das ich schon einmal nach vorne schauen darf, in Gottes Zukunft, in Jesajas Friedensreich.

Das Bild, das wir durch dieses Fenster sehen, gilt nicht nur der Kirche, sondern der Welt: Gottes Frieden lässt sich nicht alleine und gegen die anderen finden. Am Ende lässt sich weder Sicherheit noch Wohlstand auf Kosten anderer gewinnen. Frieden ist die Frucht der Gerechtigkeit und stellt sich nur ein, wenn auch die anderen eine Zukunft für sich und ihre Kinder sehen. Alle Versuche, Identität durch Abgrenzung zu gewinnen, stärken nur diejenigen, die noch aus der größten Not politisches Kapital zu schlagen versuchen. Und die dazu an die Abgründe und die Bosheit in uns appellieren und deren Worte wie giftige Pfeile unser Miteinander zerstören.

Die eine universale Kirche schuldet der Einen Welt die Botschaft von der Gerechtigkeit und dem Frieden, die Gott uns verspricht. Deshalb: „Auf, kommt herbei, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“

Die Vision des Jesaja gewährt uns einen Blick in Gottes Friedensreich. Dies Reich liegt uns voraus und zieht uns zu sich hin, aber es ist nicht unser Besitz. Auch das hat die Reformation in die eine Welt einzubringen, gerade heute: Dass Menschen vor Gott um ihre Kraft und ihre Möglichkeiten wissen, aber auch um ihre Grenzen. Wir versuchen, mutig zu bekennen und Christus nachzufolgen, aber wir erleben auch, dass wir einschlafen und scheitern, dass wir das Gute wollen, aber eigentlich unser Eigenes suchen - und Jesus verraten. Jede politische Perspektive hat ihre Grenzen, jede Entscheidung birgt das Risiko, schuldig zu werden. Diese Erkenntnis führt nicht in die Beliebigkeit. Aber sie warnt uns davor, die eigenen Ansprüche absolut zu setzen oder gar mit Gewalt durchzusetzen.

Gottes Friedensreich setzt sich nicht mit Macht und Gewalt durch; Gottes Kraft ist in der Schwachheit mächtig! Diese Erkenntnis ruft uns zur Umkehr und öffnet unsere Augen für die Schwachen, für Ungerechtigkeit und Unfrieden. Sie ermutigt zu einem Glauben, der die eigenen Zweifel und den Glauben und die Zweifel der Anderen im Blick behält. Und fragt: Wie kann ich meinen Glauben leben, ohne die Überzeugung oder den Glauben anderer zu verletzen oder zu missachten?

Der Berg, auf dem nach Jesajas Vision Gottes Haus fest, hoch und erhaben steht, ist der Berg Zion. Er zeichnet sich geographisch nicht durch seine Höhe aus; er ist niedriger als der Ölberg direkt daneben. Es ist nur die Anwesenheit Gottes, die den kleinen Berg zum Ort der Friedensverheißung macht. So wie sich Gott uns eben in Christus zeigt: im Kind in der Krippe, im Mitleiden, in der Schwäche, am Kreuz, im Beistand in Krankheit und Not.

Gottes Liebe und Gerechtigkeit erfüllen unsere Welt und ziehen uns in das Reich des Friedens. „Auf, kommt herzu, lasst uns wandeln im Lichte des Herrn!“
 

Eritreer, die heute in Heidelberg leben, berichten über ihre Flucht

Die Flucht

Quelle: Citykirche (Bild: Bootsflüchtlinge malen ihre Flucht)
Meine ganze Familie ist gläubig. Sie sind evangelische Christen. Dieser Glaube ist in Eritrea verboten. Die Probleme meiner Familie wegen ihrer Religionszugehörigkeit nahmen zu und auch ich durfte meinen Glauben während der Militärzeit nicht ausüben. Eines Tages versammelten sich meine Eltern mit anderen zum Beten in ihrem Haus. Plötzlich kamen Polizisten und verhafteten alle. Als ich das hörte, war ich in großer Sorge um meine Eltern und Geschwister und bat meinen Vorgesetzten um Erlaubnis meine Familie zu besuchen. Aber das wurde mir nicht gestattet. Ich bin fast wahnsinnig geworden vor Sorge und da Waffenstillstand war, bin ich ohne Erlaubnis nach Asmara, um mich nach meiner Familie zu erkundigen und ihnen zu helfen wieder frei zu kommen. Nach einem langen Verfahren, konnte ich sie endlich gegen Kaution aus dem Gefängnis befreien.

Eines Nachts, ich kann mich nicht mehr an die Uhrzeit erinnern, standen plötzlich zwei bewaffnete Männer an meinem Bett und zwangen mich mit Gewalt sofort mitzukommen, ohne jegliche Erklärung. Das ging so schnell, ich durfte noch nicht einmal ein paar Sachen zusammenpacken. Sie haben mich dann für einen längeren Zeitraum inhaftiert. Danach musste ich wieder dahin zurück, wo ich stationiert war. Da sie nun wussten, dass ich Protestant bin, nahmen sie mich unter besondere Beobachtung und mir wurde bei schwerer Strafandrohung verboten die Bibel zu lesen und zu beten. Es war für mich unerträglich.

Zu dieser Zeit fing ich an mit dem Gedanken zu spielen aus diesem Land zu fliehen. Ich stellte mehrmals Anträge auf Entlassung vom Militärdienst, diese wurden aber immer wieder abgelehnt. Es war für mich nicht mehr auszuhalten, ich versuchte zu kooperieren, verzweifelte aber innerlich immer mehr. Nachts hatte ich schreckliche Albträume, ich sah meine Familie, den Krieg, die gefallenen Freunde. Immer und immer wieder.

Ich habe mein Leben von 1994 bis 2009 beim Militär verbracht. Dann verließ ich das Land, das ich so sehr liebe und floh nach Äthiopien.

Die Abfahrt des Bootes

Sie warteten bis sie 250 Menschen zusammen hatten, damit es sich auch lohnte.

Quelle: Citykirche (Bild: Bootsflüchtlinge malen ihre Flucht)
Nach 2 monatigem Ausharren, eingepfercht in einen kleinen Raum, den wir nie verlassen durften, brachten sie uns endlich ans Meer. Am Strand mussten wir uns hinkauern und durften keinen Ton von uns geben. Beim leisesten Geräuch schlugen sie uns mit ihren schweren Gewehren und Stöcken, mit denen sie uns bewachten.

Dann musste ich in ein kleines Schlauchboot mit Außenmotor einsteigen, dass uns zum großen Boot brachte. Das Meer flößte mir große Angst ein, da es wie eine schwarze finstere Macht vor mir lag. Als ich das Boot sah, sagte ich "Wie sollen hier nur so viele Menschen in dieses Boot passen?"

Es war nur 16 Meter lang und wenn überhaupt acht/ neun Meter breit. Ich war unter den letzten die am Boot ankamen und es war bereits das ganze Boot voll besetzt. Überall saßen und lagen die Menschen, alles war überfüllt. Über 250 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, auf diesem alten Fischerboot, jeder einzelne voller Angst und gleichzeitig voller Hoffnung auf ein Leben in Freiheit und Würde. Diese Hoffnung war, was uns alle antrieb.

Die Überfahrt auf dem Boot

Quelle: Citykirche (Bild: Bootsflüchtlinge malen ihre Flucht)
Wir waren 72 Stunden unterwegs ohne Essen und Trinken. Gegen 13 Uhr sind wir dann aus dem Meer gerettet worden. In den 72 Stunden haben wir uns verfahren, wir hatten kein GPS. Wir gerieten alle in Panik und konnten einen der Routenführer gerade noch davon abhalten, weil seine Frau ihn anflehte, das Schlauchboot mit einem Messer aufzuschlitzen und uns alle dem Tod preiszugeben.

Wir waren riesigen Wellen ausgesetzt. Genau in dem Moment, als uns das Rettungsboot entdeckte, erwischte uns eine hohe Welle so schlimm, dass wir alle über Bord gingen. Eine Frau und ein kleiner Junge sind ertrunken. Sie konnten nicht gerettet werden. Ich wäre auch fast ertrunken. Aber ich wurde gerettet.

Heute wenn ich schlafe wache ich fast jede Nacht schweißgebadet auf und es fühlt sich an als wackele das Bett wie auf dem Schiff und ich habe jedes Mal das Gefühl zu ertrinken.

 
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Quelle: Citykirche Heiliggeist

Kunst-Gottesdienst
Bibel trifft argentinische Musik
Jahresthema Citykirche
Flyer zum Jahresthema


Quelle: Citykirche Heiliggeist

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