Rock'n'Pop

Citykirche Rock'n'Pop: Gottesdienst mit populärer Musik

 
Quelle: Denise Reuter
Rock- und Poplieder als Kirchenlieder? Warum nicht? Rock-und Popsongs behandeln oft religiöse Themen und spielen auf der Bibel an, oder sie drehen sich um Gerechtigkeit, Leid, soziale Fragen und Frieden. Das allein ist Grund genug, sich mit diesen Songs einmal im Gottesdienst näher auseinander zu setzen.
 
Und die Melodien? So manche klagen heute, dass die Kirchenlieder ihnen musikalisch fremd sind. Der Blick auf Martin Luther zeigt: Er sang nicht nur Kirchenmusik, sondern auch delikate Lieder aus Werkstätten und Wirtshäusern. Und, Luther nahm bewusst Melodien, die das Lebensgefühl der Menschen ansprachen. Dazu schrieb er neue, geistliche Texte und ließ die Lieder dann im Gottesdienst singen. Er nutzte dabei Gassenhauer, Schlager und Volkslieder. Das wäre so, als würde man heute einen geistlichen Text zu "Atemlos" von Helene Fischer schreiben. Das war eine musikalische Revolution, die später in Vergessenheit geriet.
Mit der Reihe "Citykirche Rock'n'Pop" wollen wir den lutherischen Weg weiterentwickeln und ausprobieren, ob Rock- und Pop-Songs, die gut und gern gesungen werden, Jazz-Musik und überhaupt populäre Musik einen festen Platz im Sonntagsmorgen-Gottesdienst finden können.
 

Aktuell

Beatles-Gottesdienst

Sonntag, 13.10.2019, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Citykirche Rock'n'Pop: Gottesdienst mit Beatlessongs zum Mitsingen.
Nach vier Jahren laden wir wieder zum Beatles-Gottesdienst ein!
 

Rückblick

Quelle: Adrian Lewczuk
Jazzgottesdienst zu Weihnachten 

Providenzkirche, 26.12.2018, 11 Uhr

Citykirche Rock'n'Pop - Xmas Special
Am 2. Weihnachtsfeiertag rockte "Lewczuk3 - Die Geschwister" die mit 250 Leuten bis auf den letzten Platz gefüllte Providenzkirche. Sie spielten alte und moderne Weihnachtslieder im Pop-, Rock- und Jazzgewand.
Die Musik war ein Mix aus verjazzten und verpoppten traditionellen Weihnachtsliedern und Evergreens sowie geistlicher Popularmusik und Gospels.
Dazwischen waren besinnliche Weihnachtstexte zu hören. Am Ende klatschten die GottesdienstbesucherInnen stehend mit. 
 

Citykirche Rock'n'Pop: Thank you for the Music - Gottesdienst mit Kulthits zum Mitsingen von Abba bis Beatles

Sonntag, 25.6.2017, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Der Rock'n'Pop-Gottesdienst drehte sich um das Thema "Musik in Rock- und Popsongs". Es gab Hits zum Mitsingen von Abba, Beatles, Grönemeyer, Queen u.a.m.
Musik: Projektband "Heiliggeist"
Gestaltung: Citypfarrer Vincenzo Petracca
 
Quelle: Citykirche
 

Jazzgottesdienst "Ein feste Burg"

Martin Luthers Lieder frei interpretiert mit dem Christoph-Georgii-Trio feat. Tine Wiechmann

Sonntag, 14.5.2017, 11.00 Uhr, Heiliggeistkirche
 
In diesem Konzertgottesdienst anlässlich des Reformationsjubiläums wurden Martin Luthers Lieder frei und jazzig interpretiert vom Christoph-Georgii-Trio feat. Tine Wiechmann.
Für Martin Luther war die Freiheit des Individuums zentral, entsprechend wandte er sich gegen die Bevormundung des Vatikans und berief sich auf die Gewissensfreiheit. Freiheit verstand er dabei in einem dialektischen Spannungsverhältnis, denn die Freiheit des Individuums findet ihre Schranke im Gemeinwohl aller, daher sollte man gleichzeitig der „dienstbare Knecht aller sein“, führt er in seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ aus.
Quelle: www.christoph-georgii.de
Dieses theologische Spannungsverhältnis wurd im Gottesdienst auf den Jazz übertragen: Der Jazz lebt von der Freiheit und der Improvisation des Künstlers. Zugleich „dient“ der Künstler aber der Band. Lutherische Freiheitslehre trifft Jazz – ein spannendes Projekt.
Es improvisiert dabei das Christoph-Georgii-Trio feat. Tine Wiechmann:
Tine Wiechmann -Gesang
Christoph Georgii - Piano
Torsten Steudinger - Bass
Tobias Stolz - Schlagzeug
 
Quelle: www.christoph-georgii.de
Seit vielen Jahren setzt sich das Christoph-Georgii-Trio mit dem zeitlosen Erbe der Choräle auseinander: Die Musik entwickelt sich aus der Spannung zwischen Jahrhunderte alten Melodien und der Spontaneität und Interaktion der Jazzimprovisation im „hier und jetzt“. Diese Art des subjektiven Umgangs mit Chorälen ist ein ein Wesensmerkmal der komponierten und improvisierten Kirchenmusik – quer durch alle Stilepochen. Das Christoph Georgii Trio stellt sich in diese Tradition – jedoch unter Verwendung des Vokabulars der Jazzmusik.
Christoph Georgii, der als studierter Jazzpianist auch ein Kirchenmusikstudium absolvierte und an den Musikhochschulen in Würzbug, Bayreuth und Heidelberg Improvisation unterrichtete, ist prädestiniert für die Verknüpfung der beiden Improvisationswelten.
Sehr zur Freude von Publikum und Presse: „Die Instrumentalmusik des Abends erwuchs – anfänglich nur für feine Ohren wahrnehmbar- aus dem Nichts, arbeitete sich vorsichtig auf dem Piano an des jeweilige Liedthema heran, verarbeitete es auf immer neuen Wegen und schwang sich schließlich in forcierten Rhythmen zu fast ekstatischen Höhen auf. Die Ev. Stadtkirche hat noch kaum vergleichbares erlebt“ (Wieslocher Woche)
 

Jazz-Gottesdienst mit Weihnachtsliedern zum Mitsingen

Montag, 26. Dezember 2016, 11 Uhr, Providenzkirche
 
Im Jazz-Gottesdienst am 2. Weihnachtstag spielte das Modern Jazz Quintett  "2nd Circle" in der vollen Providenzkirche bekannte kirchliche Weihnachtslieder zu jazziger Musik zum Mitsingen.
Quelle: Christoph Schäfer
„2nd Circle“ sind:
Thomas Jehle (Gitarre)
Peter Laux (Schlagzeug)
Walter Sielski (Trompete, Flügelhorn)
Knut Rössler (Tenorsaxophon)
Mario Fadani (Bass)
 
2nd Circle über ihre Musikkonzept: "Eigentlich klingt es ganz einfach: Jeder von uns steht auf Jazz, und besonders auf Jazz in kompletter klassischer Jazz- Combobesetzung mit Rhythmusgruppe und zwei Bläsern.  Und der Genuss ist perfekt, wenn diese Gruppe dann auch noch groovigen, modernen Bop spielt. Wir haben diese Gemeinsamkeit zum musikalischen Konzept gemacht: Unser Schwerpunkt liegt konsequent auf soundbetonten Stücken, auf ausarrangierten Bläsersätzen in den Themen, auf Linien, in denen die ganze Dynamikbandbreite genutzt wird, und auf dem seit Jahrzehnten beliebten Sound von Saxophon und Trompete. Wir spielen „offene“ Klänge mit „offenen“ Harmonien, weite Akkordlagen, die lyrisch unbeschwertes Improvisieren begünstigen. Um diesem Ziel klanglich möglichst nahe zu kommen haben wir das in der klassischen Combobesetzungung übliche Piano durch eine Gitarre ersetzt."
 

Citykirche Rock'n'Pop: "Heal the world"
Gottesdienst mit Kult-Hits zum Mitsingen von Abba bis Michael Jackson

Sonntag, 9. Oktober 2016, Heiliggeistkirche, 11 Uhr
 
Aus dem Experiment des Beatles-Gottesdienstes ist eine Reihe geworden: Citykirche Rock'n'Pop. Entsprechend dem Jahresthema der Citykirche "Die Eine Welt" war das Thema des Gottesdienstes "Heal the world". Rund 250 Personen kamen zum 1. Rock'n'Pop-Gottesdienst zum Mitsingen. Die Atmosphäre war unbeschwert, die Kirche voll, die Liedblätter reichten nicht.
 
Quelle: Kay Lietz
Die Band war: Jochen Pöhlert – Gitarre, Hannes Adam – Bass, Thorsten Gellings – Percussion, Christoph Schäfer - Klavier, Bettina Wunsch - Vocals, zudem wurde die Gemeinde im Gesang von der Jungen Kantorei und der Jugendkantorei unterstützt.
Songliste zum Mitsingen:
Meat Loaf- Heaven can wait
ABBA – Money Money
Elvis Presley – In the Ghetto
Genesis – Land of confusion
Scorpions – Wind of change
Michael Jackson – Heal the world
Bon Jovi – Living on a prayer
Die Jugendkantorei sang als Liedvortrag: God help the outcats (aus: Hunchback of Notre Dame).
Der Gottesdienst wurde von Vincenzo Petracca, Marie Wunsch, Lena Wirth, Luisa Wirth und Gertrud Kallweit gestaltet. 
 
 

Gottesdienst mit dem Pop-Duo Enaim

Sonntag, 7. August 2016, Heiliggeistkirche, 11 Uhr
Quelle: Gabi Dietz-Wölfer
 
Nach dem beindruckenden Pop-Gottesdienst im März kamen Enaim im Sommer wieder mit Eigenkompositionen in die Heiliggeistkirche.
Der Name „Enaim“ bezeichnet einen Ort, an dem sich zwei Wege treffen. Christoph Georgii (Piano) und Tine Wiechmann (Gesang) kommen aus unterschiedlichen musikalischen Richtungen. Für ihre neue Band schrieben sie gemeinsam Songs, die Elemente aus Jazz und Pop vereinen.
Die deutschen Texte von Enaim beziehen sich auf verschiedenen Bibelstellen und setzen sich unprätentiös und alltagsnah damit auseinander, wie Glaube im Alltag erlebt und gelebt werden kann. In den Songs spielt sowohl die emotionale Ansprache der Zuhörer als auch die Ruhe eine wichtige Rolle. Sie bieten so immer wieder Raum für eigene Gedanken.

Pop-Gottesdienst mit dem Duo Enaim

Sonntag, 20. März 2016, Heiliggeistkirche, 11 Uhr
Quelle: Foto: Enaim
 
Am Palmsonntag wurde in der Heiliggeistkirche ein Gottesdienst mit dem Pop-Duo Enaim gefeiert: Tine Wiechmann – Vocals und Christoph Georgii – Piano. Das Thema des Pop-Gottesdienstes war "Reise zu Gott", und der Ablauf wurde entsprechend als Reise zu Gott konzipiert. Die Texte wurden von Vincenzo Petracca und Team gestaltet. Die begeisterten Reaktionen auf diesen Gottesdienst legen eine Wiederholung nahe.
 

Beatles-Gottesdienst

11. Oktober 2015, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

„Let it be“ statt „Lobe den Herren“

Pfarrer Vincenzo Petracca lädt ein zum Pop-Gottesdienst am Sonntag in Heiliggeist – Beatles-Songs zum Mitsingen

Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung von Sabine Hebbelmann vom 10. Oktober 2015
 
Quelle: Sabine Hebbelmann
Beatles-Songs als Kirchenlieder? Warum nicht? Als Heiliggeistkantor Christoph Andreas Schäfer mit dieser Idee auf ihn zukam, war Pfarrer Vincenzo Petracca sofort dabei. „Ich hatte schon immer mal Lust, einen Gottesdienst mit Popmusik zu machen“, bekennt er. Seit Anfang des Jahres setzt der gebürtige Italiener an der Heiliggeistkirche Akzente. Seine Spezialität: Kirche neu und unkonventionell erlebbar machen – etwa mit einem Motorradgottesdienst beim ADAC oder einer Tango-Messe in der Heiliggeistkirche. „Let it be“ statt „Lobe den Herren“ wird die Gemeinde beim nächsten Citykirchen-Gottesdienst am Sonntag, 11. Oktober, um 11 Uhr singen.

Beatles-Lieder zum Mitsingen „im ganz normalen Sonntagsgottesdienst“ in der ehrwürdigen Heiliggeistkirche. Das ist für den Pfarrer wie auch für den Kantor ein Experiment: „Wir möchten ausprobieren, ob Lieder, die gut und gern gesungen werden, nicht ihren Platz im heutigen Gottesdienst finden können.“ Die Gemeinde wird dabei begleitet von einer Beatles-Coverband und Mitgliedern der Studentenkantorei. Und auch die Predigt wird sich um die Liverpooler Band und ihre Lieder drehen. Ins Zentrum will Petracca „Let it be“ und „Yesterday“ stellen und dabei der Frage nachgehen: Wie kann man lernen loszulassen, wenn es einem schlecht geht?

Petracca verrät auch schon die weitere „Songliste“: „Help“ soll auf das Bußgebet folgen und zur Lesung wird „Lady Madonna“ gesungen, eine sozialkritische Anspielung auf das Magnificat. Weitere Songs sind „Here comes the sun“, „All you need is love“, „Michelle“, „When I’m 64“ und zum Abschluss das fröhliche „Yellow Submarine“. Gehen profane Popsongs im Gottesdienst? Petracca: „Die Stücke der Beatles sind oft spirituelle Lieder. Sie drehen sich um Liebe, Frieden, Leid oder soziale Fragen. Manche haben auch Anspielungen auf die Bibel. Das allein ist Grund genug, sich mit den Texten einmal im Gottesdienst näher auseinanderzusetzen.“

Petracca, der sich für einen guten Zweck auch gern mal als „DJ-Pfarrer“ betätigt und in seiner Jugend mehr auf die Rolling Stones als auf die Beatles stand, kann sich vorstellen, einen Pop-Gottesdienst auch mal mit anderer Musik zu wiederholen. „Allerdings nicht mit den Stones, die eignen sich weniger zum Mitsingen.“
 

Predigt – Beatles-Gottesdienst (Yesterday/ Let it be)

(Pfr. Dr. Vincenzo Petracca; Heiliggeistkirche Heidelberg; 11.10.2015)

Teil 1: Yesterday

Liebe Beatles-Fans, liebe Gemeinde,
Liebe zwischen zwei Menschen: eine der gewaltigsten Kräfte, die Gott geschaffen hat. Sie kann in den Himmel heben. Sie kann in die Unterwelt stürzen. So heißt es in der Lesung aus dem alttestamentlichen Hohen Lied der Liebe (HL 8,6f.), die wir gerade hörten. Hierüber handelt auch das Lied "Yesterday". Es beginnt mit den Worten:
Gestern schienen all meine Probleme so weit weg zu sein.
Jetzt sieht es so aus, als ob sie niemals verschwinden würden.
Welcher Art sind die Probleme, die plötzlich von gestern auf heute aufgetreten sind? Es sind Liebesprobleme. Es heißt im Lied:
Warum musste sie gehen?
ich weiß es nicht, sie wollte es nicht sagen.
Ich sagte etwas Falsches,
jetzt sehne ich mich nach Gestern.
Sie hat ihn überraschend verlassen. Nachdem er etwas Falsches sagte. Genaueres verrät das Lied nicht. Es  ist  ungewöhnlich, dass Gründe, die zur Trennung führen, von einem zum anderen Tag auftreten. Meist ist die Trennung der Schlusspunkt einer langen Entwicklung. Hat er es nicht wahrgenommen? Gibt es heimlich einen anderen? Oder war die Trennung wirklich nicht vorherzuahnen? Auf jeden Fall ist er überrumpelt. Er weiß nicht wieso. Und sie erklärt sich auch nicht.
Plötzlich bin ich nicht mal mehr zur Hälfte der, der ich früher war
Eine dunkle Wolke hängt über mir
So heißt es weiter im Lied. Die Liebe kann in die Unterwelt stürzen. Das erlebt der Sänger jetzt. Er verfällt in herzzerreißenden Liebeskummer. Er hat seine Ergänzung, seine bessere Hälfte verloren. Finstere Wolken betrüben seine Seele. Er flüchtet sich in die Erinnerung. Er denkt an die Tage, als ihre Liebe ohne Risse war. Voller Licht und Wärme. Leicht, wie ein Spiel aus alten Kindertagen. Er erinnert sich zurück an die Tage, als die Liebe ihn in den Himmel gehoben hat. Mit den Worten des Liedes:
Gestern war die Liebe so ein einfaches Spiel.
Jetzt brauch ich einen Ort, an dem ich mich verstecken kann.
Oh, ich glaube an Gestern.
Er sucht einen Ort, an dem er sich verstecken und Zuflucht finden kann. Dieser Ort ist das Gestern. Er flüchtet in die Vergangenheit. In die Melancholie. In die wehmütige Erinnerung an Tage leicht wie der Himmel.
Wenn man verlassen wird, wenn man mit einem Verlust zurechtkommen muss, dann braucht man einen Schutzraum. Einen Raum, in den man sich flüchten kann. Einen Ort, an dem man seine Wunden lecken kann. An dem man weinen kann. Einen heilen Raum voller Erinnerungen und Wärme. Die Erinnerung hat eine leuchtende Seite. Sie kann ein angenehmes Gefühl vermitteln. Kann aufrichten. Kann trösten.
Für eine Zeitlang ist das nötig und gut. Wenn man gar einen Partner durch Tod verliert, spricht man im Volksmund von einem "Trauerjahr": Man braucht ein Jahr einen geschützten Rückzugsraum, manchmal länger. Aber für immer? Soll der Rest des Lebens auf die Vergangenheit fixiert sein? Soll man fortan rückwärtsgewandt leben? Kann man wirklich an das Gestern glauben, wie es am Schluss des Liedes heißt? Haben die Beatles nicht noch eine andere Antwort?
Hierzu möchte ich mit Ihnen ein anderes Lied betrachten. Wir singen „Let it be“.

Teil 2: Let it be

Quelle: Denise Reuter
Das Verhältnis der Beatles zur christlichen Religion ist schillernd. 1966 sagte der Sänger John Lennon in einem Interview: Die Beatles seien berühmter als Jesus. Ein Sturm der Entrüstung folgte. Im protestantischen Bibelgürtel der USA wurden Beatles-Alben öffentlich verbrannt. Der Vatikan war sehr verärgert. Vor 5 Jahren übrigens verzieh der Vatikan John Lennon. Die Vatikanzeitung schrieb: Die Bemerkung von damals sei wohl nur der Übermut eines Jugendlichen gewesen, der "ganz überwältigt war von einem unerwarteten Erfolg". Zudem lobte der Vatikan die Songs der Beatles, die Zeiten überdauert und Generationen von Musiker inspiriert hätten. Die heutige Popmusik sei eher von schlechterer Qualität.
Auch Lennons Lied "Imagine" sorgte für Protest in christlichen Kreisen. Heißt es doch im Text: "Stell dir vor, es gäbe keine Religion." Lassen Sie uns Lennons Kritik jenseits der Schlagworte einmal genauer in den Blick nehmen. Liest man das umstrittene Interview im Zusammenhang, wird klar, dass seine Kritik sich nicht gegen Jesus, sondern gegen die Kirche wendet. Lennon sagte im Interview wörtlich: "Jesus war in Ordnung". Die Kirche aber habe seine Lehre verdreht. Ähnliche Kritik gibt es seit langem auch innerhalb des Christentums. Franz von Assisi beispielsweise, nachdem sich der Papst benannt hat, lebte vor 800 Jahren. Er warf der Kirche vor: Mit ihrem Reichtum verfälsche sie die Lehre Jesu. Diese Kritik müssen sich die reichen Kirchen auch heute gefallen lassen. Reichtum steht gegen Glaubwürdigkeit. Hat doch Jesus selbst gesagt: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelsreich.
„Stell dir vor, es gäbe keine Religion“, heißt es im Lied „Imagine“. Aus dem Zusammenhang wird deutlich, Lennon wendet sich gegen Gewalt im Namen der Religion. Ähnliches findet sich bei einem großen Theologen des 20. Jahrhunderts: Karl Barth kritisierte harsch die Religion. Hintergrund ist seine Erfahrung des 1. Weltkrieges: Die Religion verband sich mit dem Nationalstaat, um den Krieg religiös zu legitimieren. 1938, als Barth seine Religionskritik schrieb, schien sich manches zu wiederholen. Er wandte sich gegen die damalige evangelische Kirche, die sich in weiten Teilen erneut mit Nation, Rasse und Staat verbündete. Für Barth ist das Gotteslästerung. Heute ist das Verhältnis von Religion und Gewalt wieder hochbrisant. Es steht uns Christinnen und Christen aber gut an, nicht auf den Islam zu zeigen. Zuerst sollten wir vor der eigenen Haustüre kehren und auf unsere eigene Geschichte von Gewalt, Kreuzzügen und Hexenverfolgungen zeigen.

 

Das Verhältnis der Beatles zur christlichen Religion ist schillernd. Im Verlauf ihrer Entwicklung haben sich die Beatles immer mehr mit spirituellen Themen auseinandergesetzt. Alle Beatles hatten einen christlichen Hintergrund. McCartney und Lennon wurden beispielsweise nach den Aposteln Paulus und Johannes benannt. Das Lied "Let it be" atmet geradezu christliche Luft.
Wenn ich mich in  Zeiten der Not befinde
Erscheint mir Mutter Mary
Und spricht weise Worte:
Let it be.
Der Song beginnt mit der Erwähnung von "Mutter Mary". Manche Ausleger dachten dabei an die "Mutter Maria". Das ist so abwegig nicht bei der Atmosphäre, die das Lied verbreitet. Aber der Songwriter Paul McCartney erzählt folgende Geschichte, wenn er zur Bedeutung von  "Let it be" befragt wird: "In einer Nacht, als wir gerade in Konflikten wegen des Managements waren, und die Band im Begriff war sich aufzulösen, erschien mir meine verstorbene Mutter, Mary, im Traum und tröstete mich und sagte mir, loszulassen." Paul McCartney sagt aber auch, dass jeder das Lied frei interpretieren kann, ganz wie er möchte.
"Let it be" ist heute längst ein Klassiker geworden, und wie alle Klassiker hat es sich aus dem Kontext gelöst, der für seine Entstehung verantwortlich war. So wie viele derartige Lieder, die man mitzusingen imstande ist, ohne zu wissen, wo sie eigentlich herkommen und wann sie entstanden sind.
Auch wenn im Song mit " Mutter Mary" ursprünglich nicht Mutter Maria, sondern Paul McCartneys eigene, früh verstorbene Mutter gemeint war, ist der Text voll religiöser Untertöne. Mehr noch: "Let it be“ ist voll von Bibelzitaten. Dies möchte ich Ihnen kurz aufzeigen:
Wenn ich mich in Zeiten der Not befinde.
Diese erste Textzeile von "Let it be" zitiert relativ unverhohlen den ersten Vers des 10. Psalms:
"Herr, warum stehst du so ferne, verbirgst dich zu Zeiten der Not?"
Später heißt es dann in „Let it be“:
Und wenn die Menschen in der Welt, die gebrochenen Herzens sind, zustimmen
Der Ausdruck "die zerbrochenen Herzens sind" findet sich häufig in den Psalmen. Das Bild spielt auch auf die Antrittspredigt Jesu in Nazareth an. Es heißt in Lukas 4, Vers 18 über Jesus:
"Der Geist des Herrn ist auf mir. Der Herr hat mich gesalbt, er hat mich gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen und zu heilen die zerbrochenen Herzens sind."
In der letzten Strophe von „Let it be“ heißt es schließlich:
Und wenn die Nacht voll Wolken ist, so ist da doch ein Licht, das auf mich scheint.
Dieser Vers spielt auf zwei Bibelstellen an, die im Weihnachtsgottesdienst gelesen werden. Da ist zunächst die Lichtmetapher des Propheten Jesaja, Kapitel 9 Vers 1:
"Das Volk das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die da wohnen im finstern Land, scheint es hell."
Der Beatles-Song spielt aber auch auf den Beginn des Johannes-Evangeliums an. Es heißt dort in Kapitel 1 Vers 5 über Jesus, das Licht der Welt:
"Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht ergriffen"
Die wörtlichen Übereinstimmungen sind noch augenscheinlicher, wenn man den englischen Liedtext mit der englischen Standard-Bibel „King James“ vergleicht. Indes, es bleibt nicht bei textlichen Anspielungen, wenn man nach religiösen Untertönen in "Let it be" fahndet. Auch musikalisch gibt es durchaus Assoziationen, die in Richtung Kirchenlied verweisen. Allen voran der Klang der Orgel, der sich ab der zweiten Strophe zum Klavier gesellt.

Wenn ich mich in  Zeiten der Not befinde
Erscheint mir Mutter Mary
Und spricht weise Worte:
Let it be.
Die weisen Worte Marys lassen sich nicht ganz einfach übersetzen. "Let it be" heißt so viel wie: Nimm es dir nicht so zu Herzen! Lass es gut sein! Lass los! Lass es geschehen!
Beim Song "Yesterday" hatte ich gefragt, ob die Beatles auf Leid nur die Antwort haben: Lebe in der Erinnerung, im Gestern. "Let it be" gibt eine ergänzende Antwort. Es kommt der Augenblick, in dem du loslassen musst.  Das Leid und die Sorgen loslassen. Dich nach vorne orientieren musst.
Ich höre den Zwischenruf schon: Das klingt alles schön und gut! Locker flockig wie ein Popsong. Doch wie kann man loslassen? Woher die Kraft dazu nehmen?
Der Song drückt sich nicht um eine Antwort, wenn man genau hinschaut.
Und wenn die Nacht voll Wolken ist,
so ist da doch ein Licht, das auf mich scheint.
Scheint bis der Morgen kommt
Der Song verweist auf eine geheimnisvolle Welt des Lichtes, die uns umgibt. Auch wenn man das Licht hinter den dunklen Wolken der Nacht nicht sieht: So scheint es doch! Bis des Morgens die Sonne wieder aufgeht, scheint dieses seltsame Licht in der Nacht. Es kann Licht bringen in die dunklen Fragen des Herzens.
Und doch, ich weiß, es gibt auch die andere Erfahrung in unserem Leben: Manche dunkle, wolkige Nacht muss man aushalten. In der Hoffnung, dass das Licht scheint, auch wenn man es nicht sieht. Manche bittere Frage muss man loslassen, ohne je eine Antwort zu erhalten. Manche finstere Erfahrung muss man stehen lassen, ohne ein Warum zu hören.
Der Beatles-Song sagt freilich noch mehr: In dieser geheimnisvollen Welt des Lichts leben die Menschen, die einen festen Platz in unserem Herzen haben und schon von uns gegangen sind. So wie Mary, die verstorbene Mutter des Songwriters. Sie kommunizieren aus dieser Welt im Traum mit uns. Sie trösten. Und sie verweisen auf ein Licht, das uns hilft zu leben.
Dieses menschenfreundliche Licht kann nur ein göttliches Licht sein. Und die geheimnisvolle Welt der Lichtgestalten kann nur eine himmlische Lichtsphäre sein. So verstehe ich zumindest das Lied. Die göttliche Lichtkraft lässt Antworten aufleuchten in den finsteren Fragen unseres Herzens. Sie gibt uns Kraft, loszulassen. Das menschenfreundliche Licht scheint jenen, die in der Finsternis leben. Es heilt jene, die zerbrochenen Herzens sind. Mit den Worten des Theologen Dietrich Bonhoeffer: Wir sind von guten Mächten geheimnisvoll umgeben und wunderbar behütet.
Und wenn die Nacht voll Wolken ist,
so ist da doch ein Licht, das auf mich scheint.
Scheint bis der Morgen kommt.
Amen.

 
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