Tanz

Gottesdienst mit Tanz

Wir feiern regelmäßig Tanz-Gottesdienste. Es tanzen dabei Profitänzer, aber auch die Gemeinde darf meist im Anschluss an den Gottesdienst tanzen. Ob Tango, Walzer, Cha-Cha-Cha, Flamenco oder Rock'n'Roll: die Tänze haben ihren Platz in unseren Gottesdiensten. Die Highlights sind die Tanz-Gottesdienste mit der Dance Company des Stadttheaters.

Aktuell

CityGottesdienst mit Meditativem Tanz

Sonntag, 14.04.2019, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Tanz: Ina Bratherig (Tanzpädagogin) 
Im Rahmen des Jahresthemas "Tanz und Glaube"
 

Tangomesse von Johan-Magnus Sjöberg „Tanzen hat seine Zeit“

Christi Himmelfahrt, Heiliggeistkirche, 30.5.2019, 11 Uhr

Quelle: Sabine Hebbelmann
Musik: Studentenkantorei
Tanz: Daria Bienick und Johannes Scheurig, LehrerInnen der Tanzschule Nuzinger

Nachdem wir allen wichtigen Standardtänzen in den letzten Jahren einen Himmelfahrt-Gottesdienst gewidmet haben, beginnen wir mit den Tänzen wieder von vorn: Der Gottesdienst dreht sich um den Tango Argentino. Die Studentenkantorei führt die Tangomesse "Tanzen hat seine Zeit" des schwedischen Komponisten Johan-Magnus Sjöberg auf. Hierzu tanzen Daria Bienick und Johannes Scheurig(Tanzschule Nuzinger).
Im Anschluss an den Gottesdienst darf die Gemeinde im Altarraum selbst Tango tanzen. 
 
Im Rahmen des Jahresthemas "Tanz und Glaube"
Kooperation mit der Tanzschule Nuzinger
 

Adventsgottesdienst mit Meditativem Tanz

Sonntag, 8.12.2019, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Tanz: Ina Bratherig (Tanzpädagogin) 
Im Rahmen des Jahresthemas "Tanz und Glaube"
 

Rückblick

Tanzgottesdienst "Dusk"

Sonntag, 24.6.2018, 11 Uhr, Heiliggeistkirche

Quelle: Karin Wilke
Der Tanzgottesdienst zu "Dusk" von Nanine Linning war eine Kooperation mit dem Theater der Stadt Heidelberg.
 
Gestaltung:
Tanz: Dance Company Nanine Linning 
Ansprache: Dekanin Dr. Marlene Schwöbel-Hug
Liturgie: Citypfarrer Dr. Vincenzo Petracca
Musik: Knut Rössler (Saxofon), Jan Wilke (Orgel)
 
Predigt:
 
450 GottesdienstbesucherInnen kamen zum Tanzgottesdienst in die Heiliggeistkirche.

Quelle: Philipp Rothe

Wenn der heilige Boden bebt - Tanzgottesdienst in Heiliggeist riss die Besucher von den Bänken – Pfarrer Petracca will kirchenferne Menschen ins Gotteshaus locken

Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung von Lilly von Consbruch am 11. Mai 2018
 
Wer war der erste Rock’n’Roller der Weltgeschichte? Pfarrer Vincenzo Petracca ist sich sicher: König David. „Schon David tanzte vor dem Herrn“, erklärt der Pastor der City-Kirche beim Tanzgottesdienst an Christi Himmelfahrt in der Heiliggeistkirche. Und er präzisierte noch: „Die göttliche Gegenwart elektrisierte David und ließ seinen Geist tanzen.“

Quelle: Citykirche Heiliggeist
Wie das mit dem Elektrisieren ganz praktisch von statten geht, konnten die Kirchenbesucher selbst erleben. Während des Gottesdienstes wirbelten zunächst die Tanzlehrer Daria Bieniek und Johannes Scheurig von der Tanzschule Nuzinger – zu der Musik der Mannheimer Band „Juri’s Kitchen“ – durch die Kirche. Doch nach dem eigentlichen Gottesdienst hielt es auch die Besucher nicht mehr auf den Kirchenbänken.

Beim mittlerweile vierten Tanzgottesdienst lag der Schwerpunkt ganz auf Rock’n’Roll und Discofox-Tänzen. Mit Liedern wie „Hallelujah“ von Leonhard Cohen, „Wind of Change“ von den Scorpions oder Joan Osbornes „One of us“ brachte die Band den heiligen Boden zum Beben. „Die Musik ist unglaublich, die reißt einen richtig mit“, so eine junge Besucherin nach dem Gottesdienst. Und eine ältere Dame meinte sogar: „Seit 65 Jahren warte ich auf so einen Gottesdienst!“

Für Pfarrer Petracca ist die Kirche einfach der richtige Ort zum Tanzen:„Besonders an Himmelfahrt sollten unser Geist und die Gedanken frei sein“, sagte er in seiner Predigt. Und beim Tanzen im Gotteshaus verfalle der Geist in einen heiligen Rausch und breche aus den alltäglichen Zwängen aus.„Du bist nicht zu jung, nicht zu alt. Gemeinsam geben wir dem Glauben tanzend Gestalt.“

Quelle: Citykirche Heiliggeist
Petracca möchte mit den Tanzgottesdiensten Menschen erreichen, die sonst nicht in die Kirche kommen würden. „Angefangen hat alles mit unserer Tanznacht für Jugendliche“, erklärt er. „Aber wir wollten noch mehr machen, wir wollten die Musik in den Gottesdienst integrieren.“ Das gefällt nicht jedem. „Ich höre oft skeptische Stimmen, die meinen, so etwas gehöre nicht in die Kirche“, sagt Petracca.

Doch nicht wenige würden ihre Meinung ändern, wenn sie einmal dabei gewesen seien. So wie eine Besucherin am Himmelfahrtstag, die anfangs eher skeptisch war. Danach fand sie aber: „Die christlichen Inhalte wurden mit den Tänzen verbunden und der ganze Gottesdienst war gut inszeniert.“

Wer auch mal auf heiligem Boden tanzen möchte, hat dazu schon am morgigen Samstag wieder die Gelegenheit. Ab 20.30 Uhr feiert die Tanzschule Nuzinger dort eine Party mit Standard- und Lateintänzen– und in der Kirche wird sogar eine Bar aufgebaut. Dabei wird für einen guten Zweck getanzt: Der Eintritt in Höhe von fünf Euro geht an das Projekt „Manna“, das in der Plöck einen Café-Treff führt und kostenlose Bildungsangebote für Menschen mit wenig Geld macht.
 
Predigt des Rock'n'Roll-Gottesdienstes

Quelle: Vincenzo Petracca

  
Näheres
 

Getanzte Passion – Ökumenischer Flamenco-Gottesdienst
Quelle: Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca/Citykirche Heiliggeist

Samstag, 24.3.2018, 19 Uhr, Jesuitenkirche
Kooperation mit der Citypastoral Jesuiten
 
In der Heidelberger Disputation rückte Luther die Theologie des Kreuzes in die Mitte der Theologie. Das Thema „Kreuz“ wurde im ökumenischen Flamenco-Gottesdienst in der vollbesetzten Jesuitenkirche choreografisch umgesetzt.
 
Das Leiden Jesu wurde gelesen nach dem Evangelist Lukas und in der Ausdrucksform des Flamenco aufgeführt von der Mannheimer Flamenco-Tänzerin Cristina West und ihrem Kreis. Schwere und
Quelle: Pfarrer Dr. Vincenzo Petracca/Citykirche Heiliggeist
Ernsthaftigkeit des Flamencos wechselten sich ab mit der explosiven Wucht dieser Tanzform. Musik und Bewegung schwankten zwischen Wehklage, Verzweiflung und Hoffnung.
  
Cristina West (Tanz)
David El Gamba (Gesang)
Pepe (Gitarre)
Salvatore Volker Schuhmacher (Percussion)
 

Tanz-Gottesdienst "Luther in Latin-Takt"

Christi Himmelfahrt, 25.5.2017, 11.00 Uhr, Heiliggeistkirche
In Kooperation mit der Tanzschule Nuzinger 
 
Quelle: Loesien Handajanto
Einen heiteren und beschwingten Tanz-Gottesdienst feierte die Heiliggeistkirche gemäß dem Luther-Zitat: "Christen sind ein seliges Volk. Die können sich freuen im Herzen, können tanzen und springen und jubeln.“
Tradition traf dabei Innovation und Luthers Musik heiße Rhythmen aus Lateinamerika. Lutherlieder aus dem Gesangbuch hatte Kantor Christoph Andreas Schäfer mit Band im Latin-Takt arrangiert zum Singen und Tanzen.
 
Im Gottesdienst tanzten die Tanzlehrer Daria Bieniek und Johannes Scheurig von der Tanzschule Nuzinger zu "Ein Feste Burg" Rumba und zu "Vom Himmel hoch" Cha-Cha-Cha. Aus einem derben mitteralterlichen Tanzlied formte Luther das weihnachtliche Kinderlied "Vom Himmel hoch“. Bei der Weihnachtsfeier im Hause Luther wurde dazu noch der ursprüngliche Ringeltanz getanzt.
Nach dem Gottesdienst tanzte die Gemeinde im Altarraum Cha-Cha-Cha, Rumba und Salsa.

Predigt im Tanz-Gottesdienst von Vincenzo Petracca

Teil 1: Luther und die Volksmusik
Quelle: Citykirche Heiliggeist
"Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht."
Diese von Martin Luther überlieferten Worte bringen seine Beziehung zur Musik auf den Punkt. Musik tut gut. Sie tröstet und stärkt. Sie ist Balsam für die Seele. Genauso wie für das gebrochene Herz. Sie macht das Gemüt froh. Sie vertreibt die düsteren Gedanken der Seele. Sie läßt den Zorn verfliegen.
In einem aktuellen Hit heißt es: "Wenn sie tanzt, ist sie woanders". Als Theologe meine ich, dass dahinter Folgendes steckt: Die Musik genauso wie der Tanz berühren tiefe Schichten in uns. Schichten, die tiefer liegen als Verstand und Erfahrung. Sie berühren das Herz. Sie verleihen der Hoffnung Engelsflügel. Sie lassen uns gleichsam einen heiligen Raum betreten. Mag es auch nur kurz sein, für die Dauer eines Taktes, für den Klang eines Tones: Für einen Atemzug berührt der Himmel die Erde.
Aus diesem Grund sagt Luther: Musik ist ein Geschenk des Himmels. Ja, für Luther ist Musik sogar die beste aller Gottesgaben. Der Reformator meint damit nicht nur die geistliche Musik, sondern Musik überhaupt. Auch die Popularmusik seiner Zeit!
Von Jugend an war Luther musikalisch sehr begabt. Er genoss eine solide musikalische Ausbildung. Insgesamt dichtete er selbst knapp 40 deutschsprachige Kirchenlieder. Freilich Luther sang nicht nur Kirchenmusik. Er sang auch delikate Lieder aus Wirtshäusern und Werkstätten. Und, Luther nahm bewusst Melodien, die das Lebensgefühl der Menschen ansprachen. Dazu schrieb er neue, geistliche Texte und ließ die Lieder dann im Gottesdienst singen. Er nutzte dabei Gassenhauer, Schlager und Volkslieder. Das wäre so, als würde man einen geistlichen Text zu "Atemlos" von Helene Fischer schreiben. Das war eine musikalische Revolution. 
Zwei Entdeckungen waren entscheidend für das Ende des Mittelalters: Die erste war die Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch Kolumbus. Mehr zufällig, denn Kolumbus suchte eigentlich einen Seeweg nach Indien. Die zweite war die reformatorische Entdeckung Luthers: Gottes Liebe ist nicht käuflich. Er liebt uns, unabhängig unserer Leistung. Auch diese Entdeckung mehr zufällig gemacht: Beim Studium der Bibel, auf der Suche nach einem Weg zum Himmel. Aus diesem Grund binden wir heute in diesem Gottesdienst beides zusammen: Luther und Lateinamerika.
Quelle: Roland Leypoldt
Natürlich kannte Luther noch keine Lieder im Latin-Takt. Kurz nach Luthers Geburt war Amerika erst entdeckt worden, den Latin-Takt gab es noch gar nicht. Indes, wenn wir heute im Gottesdienst Luther-Lieder im Latin-Takt singen und dazu auch tanzen, dann gehen wir den musikalischen Weg Luthers weiter. Wir verwenden Melodien, die das Lebensgefühl von heute ansprechen. 
Damals bei Luther zeigte diese musikalische Revolution eine ungeahnte Wirkung. Die neuen geistlichen Lieder wurden nämlich nicht nur im Gottesdienst gesungen, sondern auch im Alltag. Knechte und Mägde, Bauern und Handwerker, Bürger und Adelige besangen auf offener Straße und in Wirtshäusern die reformatorische Entdeckung. Was Buchdruck und Predigt allein wohl kaum vermocht hätten, da kaum jemand lesen konnte, brachten diese neuen geistlichen Lieder fertig: Sie brachten die Gedanken der Reformation zu den Menschen, gleich welchen Bildungsstandes. Und gleich welchen Klassenstandes!
An einem Lied möchte ich die lutherische Vorgehensweise veranschaulichen: "Nun freut euch, lieben Christen g'mein." Die Melodie stammt von einem Liebeslied mit dem Text: "Sie gleicht wohl einem Rosenstock, drum liegt sie mir am Herzen. Sie trägt wohl einen roten Rock, kann züchtig, freundlich scherzen. ... Beut her mir deinen roten Mund, du Röslein auf der Heiden. Ein Kuss gib mir aus Herzensgrund. So steht mein Herz in Freuden." Diesem koketten Liebeslied gibt Luther einen geistlichen Text. Im Jahr 1523 tritt „"Nun freut euch, lieben Christen g'mein" einen geradezu unglaublichen Siegeszug an: Bänkelsänger pfeifen es. Genauso wie Schuster rhythmisch hämmernd bei ihrer Arbeit. Handwerksburschen tragen das Lied singend durch ganz Deutschland. Sie werden so im wörtlichen Sinne zu Tonträgern der Reformation.
Luther wählt die Melodie des Liebesliedes nicht nur, damit es sich als Ohrwurm ins Herz des Volkes schleicht. Ihm geht es vor allem um den Inhalt! Und um die Entsprechung von Form und Inhalt. Mit der Form eines Liebesliedes will er deutlich machen: Im Lied geht es um Liebe. „"Nun freut euch, lieben Christen g'mein" ist nicht nur auf die Melodie eines Liebesliedes getextet. Es erzählt auch eine besondere Liebesgeschichte: die Liebesgeschichte Gottes mit jedem einzelnen von uns...
Dieses Lied hören wir jetzt im Latin-Takt.

Teil 2: Luther und der Volkstanz
Quelle: Loesien Handajanto
"Christen sind ein seliges Volk. Die können sich freuen im Herzen, können tanzen und springen und jubeln.“ So Martin Luther über das Tanzen.
Bereits die Musik wurde in den verschiedenen Richtungen der Reformation unterschiedlich bewertet. Schätzt Luther die Musik als größte Gottesgabe, so war dies in den reformierten und calvinistischen Richtungen ganz anders. Als Kurfürst Friedrich III. den reformierten Glauben einführte, verbot er in der Heiliggeistkirche die Musik. Nur noch einstimmige Psalmen durften gesungen werden. Sie können sich vielleicht vorstellen: Beim Tanz gingen die Meinungen in der Reformation und danach noch viel weiter auseinander!
Für den Frankfurter, calvinistischen Reformator Melchior Ambach ("Vom Tanzen", 1545) ist Tanz Ausdruck von Geilheit und Sünde: "Da greift man Frauen und Jungfrauen mit unkeuschen Händen, (man küsst einander mit hurischem Umfangen, ) und die Glieder, welche die Natur verborgen hat, entblösst oft Geilheit. Wo geschieht mehr Übermut, Trotz, Mord, Verachtung denn eben im Tanz? Tanzen ist eine Übung, nicht vom Himmel kommend, sondern vom Teufel erfunden... Man betrachte doch das Tummeln, das Herumschweifen, das Auswerfen der Beine, das Hintersichlaufen, danach Vorlaufen, sich wie ein Rad drehen, die Erde mit den Füssen klopfen, wie ein Kreisel herumhaspeln und wirbeln." Fühlen Sie hinter diesen Worten die Abscheu? Die Furcht vor dem, was passieren kann, wenn Menschen tanzen, saß tief. Nicht nur bei diesem Reformator, nicht nur bei manchen religiösen Kreisen, christlich und nichtchristlich, bis zum heutigen Tag, sondern bei vielen. So verboten auch die Obrigkeiten immer wieder den Tanz oder spezielle Tänze. Beispielsweise die Nationalsozialisten die Rumba. Den Menschen das Tanzen auszutreiben ist aber trotzdem nicht gelungen. 
Wohltuend finde ich dahingegen Martin Luthers Standpunkt. Er mahnt zur Gelassenheit. Kleine Kinder tanzen ohne Sünde. Macht es wie sie, werdet entsprechend der Anweisung Jesu wie die Kinder, dann schadet der Tanz euch nicht! So Luther. Tanz an sich ist nichts Böses. Er kann ein Akt der Tugend oder des Lasters sein. Je nachdem. Luther sagt wörtlich (1525): „Dass aber Sünden und Laster dabei vorgehen, ist nicht dem Tanz, sondern den unordentlichen Begierden der Tanzenden zuzuschreiben. Gleichwie es auch nicht des Essens und Trinkens Schuld ist, dass etliche darüber zu Säuen werden."
Obwohl der Tanz bei Luther nicht den Rang der Musik erreicht, nennt er einen Anlass, bei dem Tanz ausdrücklich erlaubt ist. Zur Hochzeit. Er sagt darüber: "dass man schön tanzt, man muss (sich) darüber kein Gewissen machen“ (WA 24, 418, 15). Es ist davon auszugehen, dass bei der spektakulären Hochzeit zwischen dem ehemaligem Mönch Martin Luther und der ehemaligen Nonne Katharina von Bora die zeremoniellen Tänze am Abend nicht fehlten.
Nicht nur Hochzeitstänze waren damals in protestantischen Gemeinden bekannt. Auch Totentänze. Ja, Sie haben richtig gehört: Anlässlich des Todes war das Tanzen üblich. Diese Tänze sollten auf das paradiesische Fest hinweisen. Die Engel tanzen im Himmel, und die Verstorbenen werden es ihnen gleich tun. So meinte man. Luther schreibt dazu in einen Brief an seinen Sohn Hans über die Engel im Paradies: „Und wenn sie alle zusammen kommen, so werden sie auch pfeifen, pauken, lauten und allerlei andere Saitenspiele haben, auch tanzen und mit kleinen Armbrüsten schießen“ (Brief vom 19. Juni 1530).
Dazu fällt mir ein Zitat ein, das gern Augustinus zugeschrieben wird: „Mensch, lerne tanzen, damit die Engel im Himmel etwas mit dir anfangen können!“ 
Quelle: Roland Leypoldt
Auch die Tänze des Mittelalters gelangten durch Luther ins Gesangbuch. Tanz war im Mittelalter nicht zu trennen von der Volksmusik. Vorsingen und Vortanzen waren dabei zwei hohe Ämter. Die Musik machten in der Regel ein bis zwei Personen, oft jemand mit Einhandflöte und Trommel. Auf der Straße oder unter der Linde schenkten die Mädchen dem besten Tänzer als Auszeichnung einen Kranz. Hiervon handelt das Kranzlied "Ich kumm aus fremden Landen her und bring euch viel der neuen Mär“. Die neue Mär des Liedes ist schlicht: Jungfrauen machen einen Kranz, tragen ihn zum Abendtanz, und Burschen versuchen den Kranz zu gewinnen. Luther hat hieraus ein Weihnachtslied für seine Kinder gedichtet. Brachte in der Weihnachtsgeschichte nicht der Engel die gute Mär? Aber, er kommt nicht vom fremden Land, sondern vom Himmel hoch, da kommt er her! Mit derlei Gedanken dichtete Luther den Text um. Aus einem derben Tanzlied wurde das weihnachtliche Kinderlied "Vom Himmel hoch, da komm ich her“. Ein weiteres Lutherlied, das bald seinen Siegeszug antrat, diesmal durch die Kinderstuben. In den ersten Jahren wurde es nach der Kranzlied-Melodie gesungen. Auch ein Ringeltanz wurde hierzu noch getanzt. Beispielsweise bei der Weihnachtsfeier im Hause Luther. Gesungen wurde zum Teil gemeinsam, zum Teil in verteilten Rollen. Luthers Kinder waren dabei begeisterte Tänzer und Sänger. - Und sie wurden dabei vom Reformator höchstpersönlich unterstützt!
Dieses Tanz-Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ hören wir jetzt - freilich nicht als Ringeltanz, sondern als Cha-Cha-Cha.  
 

Tanzgottesdienst "Khôra" mit Nanine Linning

Quelle: Karin Wilke
Sonntag, 19. Februar 2017, Heiliggeistkirche
 
Über 500 Personen besuchten den Tanzgottesdienst in Kooperation mit der Nanine Linning Dance Company des Stadttheaters Heidelberg  in der brechend vollen Heiliggeistkirche.
In der Rhein-Neckar-Zeitung stand "beim Tanz-Gottesdienst mit den Tänzen aus Nanine Linnings Choreographie 'Khôra' entstand in dem hohen Kirchenschiff ein fast magisches Miteinander zwischen Dekanin Marlene-Schwöbel-Hug, Citypfarrer Vincenzo Petracca, den Tänzern und den Besuchern - ein besonderes Geschenk zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation."
 

Walzer-Gottesdienst zum Mittanzen

 
An Christi Himmelfahrt 2016 wurde Walzer im Gottesdienst getanzt. Es spielte ein Salonorchester auf mit Geigen, Cello, Kontrabass, Klarinette, Schlagzeug und Klavier unter der Leitung von Christoph Schäfer: Alles Walzer!
Judith Hoehling und Ralf Bernhard tanzten Langsamen, Cross Step und Wiener Walzer, Ina Bratherig und Soledad Nani ergänzten mit sinnlichem Tangovals.
Am Ende des Gottesdienst drehte sich die um Mengen von hereinströmenden Touristen bereicherte Gemeinde selbst im festlichen Ambiente der gotischen Kirche zum Walzertakt. Ein Besucher sagte: "Das war mit Sicherheit eine meiner besten Kircherlebnisse meines Lebens. So stelle ich mir moderne Kirche vor."

Citykirche Heiliggeist fordert zum Tanz auf- „Tanz in den Mai“ mit Tanzperformance, Walzer-Gottesdienst und Tangonacht

Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung am 30. April 2016 von Sabine Hebbelmann
Quelle: Citykirche
Beim Tango-Gottesdienst der Citykirche Heiliggeist vor einem Jahr hat Pfarrer Vincenzo Petracca etwas gelernt: Die Besucher wollten nicht nur Zuschauer und Zuhörer sein, sondern hatten ihre Tanzschuhe mitgebracht und freuten sich, nach dem Gottesdienst in der Heiliggeistkirche selbst zu tanzen.
So groß war die Resonanz, dass nun eine Tradition begründet und Tanzen künftig zu einem festen Bestandteil des Gottesdienstes an Christi Himmelfahrt in der größten und bedeutendsten Kirche Heidelbergs werden soll. So steht nun also am Donnerstag, 5. Mai, ein Walzer-Gottesdienst zum Mittanzen auf dem Programm. Ein Novum, zumindest nach Wissen des Pfarrers, der den Begriff bei Google eingegeben, und außer den eigenen keine Einträge bekommen hat. Petracca hat den Gottesdienst gemeinsam mit dem Heidelberger Tanzlehrer Ralf Bernhard konzipiert, der mit einer Tanzpartnerin im Gottesdienst Walzer tanzen wird, während die Gemeinde bekannte Lieder im Dreivierteltakt wie „Que sera, sera“ singt. Petracca wird ihn danach fragen, was für ihn der Tanz bedeutet und warum er in seiner Tanzschule in der Altstadt gemischte Tanzkurse für Menschen mit und ohne Behinderung anbietet.
Quelle: Citykirche Heiliggeist
„Mir ist wichtig zu zeigen, dass alle Menschen sinnliche Wesen sind und der Tanz für alle da ist“, betont Petracca.
Ein Salonorchester mit Heiliggeistkantor Christoph Andreas Schäfer am Flügel spielt auf und Ina Bratherig, Leiterin der Tangoschule Tangodeseos, und Soledad Nani aus Buenos Aires werden miteinander Tango Vals, eine Mischung aus Tango und Walzer, tanzen. Derart inspiriert dürfen die Besucher nach dem Gottesdienst im Chorraum selbst Langsamen Walzer, Wiener Walzer und Tango Vals tanzen. Der Walzer-Gottesdienst ist Teil einer Veranstaltungsreihe der Citykirche mit dem Titel „Tanz in den Mai“, die am Sonntag, 1. Mai, um 11 Uhr mit einer Performance der syrischen Tanzgruppe „Gafrana“ beginnt. Die Profi-Tänzer sind aus Damaskus geflüchtet und werden vor dem Hintergrund von Aufnahmen aus dem Syrienkrieg zum Thema „Flucht“ in der Heiliggeistkirche tanzen.
Quelle: Udo Lahm
Anlass ist die Eröffnung der Ausstellung „Wohin, wohin“ der Berliner Objektkünstlerin Hadmut Bittiger. Flüchtlinge aus einer Berliner Notunterkunft haben ihre Wünsche auf Papier geschrieben oder gezeichnet. Gefaltet wurden daraus 800 Kraniche, die auf nadelgleichen Federstählen stecken und sich im Kirchenraum bei dem leisesten Lufthauch bewegen. Die Kranichausstellung gastiert bis 29. Mai in Heidelberg.
Eine Argentinische Nacht mit Tangoball findet am Freitag, 6. Mai, in der Heiliggeistkirche statt. Sie beginnt um 20 Uhr mit einem Konzert der Gruppe „Finisterre Tango“ aus Buenos Aires. Sechs junge Musiker spielen traditionelle Tangos und neue Eigenkompositionen als Quintett mit Sänger. Ab 21 Uhr geht es in der nächtlichen Atmosphäre der großen gotischen Kirche mit einem Tangoball weiter.Der Erlös geht an das Flüchtlingsprojekt „Wohin, wohin“ und die Flüchtlingsarbeit in Heidelberg. Der Eintrittkostet 23, ermäßigt 15 Euro.Kartenreservierungen bitte per E-Mail an die Adresse info[at]tangodeseos[dot]de[dot]
Quelle: www.keskin-arts.com
 

Predigt des Walzer-Gottesdienstes von Pfr. Dr. Vincenzo Petracca

Predigt als PDF zum Downloaden:
 
Quelle: Markus Fuchs
Liebe Walzer-Gemeinde,
Menschen brauchen Nähe. Sie suchen Verbindung. Sie lieben den Taumel. Sie haben körperlichen Kontakt nötig. Sie sehnen sich nach Halt und einem Menschen, bei dem sie sich fallen lassen können. - Da schuf Gott den Tanz. Und siehe, es war sehr gut!

Der Wiener Walzer ist der älteste und traditionsreichste Paartanz. Er lässt sich schnell erlernen und wirkt graziös und majestätisch. Bei Bällen genauso wie bei Brautpaaren, die glückstrahlend ihre Hochzeitsfestlichkeit einläuten. Hinter dem einfach aussehenden Walzer verbirgt sich eine wechselhafte Geschichte. Bis zur Französischen Revolution trennte der Tanz die Gesellschaft in zwei Klassen. Die Kluft war unüberbrückbar. Der Adel tanzte das höfisch reglementierte Menuett. Es ließ mit komplizierten Figuren und eisern festgelegten Schrittfolgen keinerlei individuelle Entfaltung zu. Mittel- und Unterschicht tanzten Volkstänze ohne Zeremoniell und feste Regeln. Die Anfänge des Walzers gehen auf die wilden deutschen Bauerntänze des Mittelalters zurück. Die Paare umfassten sich mit beiden Armen in Schulterhöhe und drehten sich hüpfend. Der Name "Walzer" leitet sich vom alten Wort "walzen" ab, was "drehen" bedeutet. Seine heutige choreographische und musikalische Ausprägung fand der Walzer aber erst in den sozialen Umbrüchen der bürgerlichen Revolutionen. Tanz ist eine Art, sich der Gruppenidentität zu versichern. Insbesondere in Umbruch- und Krisenzeiten. Entsprechend löste der Walzer als Bewältigungsversuch der gesellschaftlichen Unsicherheit einen kollektiven Tanzrausch aus. An der Wende zum 19. Jahrhundert sprengte er die Ketten der erstarrten Gesellschaftshierarchie. Noch heute tanzt man in Paris am 14. Juli als Erinnerung an die Französische Revolution Walzer auf den Straßen.

Quelle: Citykirche Heiliggeist
Am Walzer schieden sich freilich zunächst die Geister. Vielen galt bereits die Erotik eines engen Paartanzes als sittlich allzu gewagt. Einer, bei dem man sich bis zum Kontrollverlust im Kreise dreht, erst recht! In der Gebrauchsliteratur dieser Zeit konnte man mahnende Erzählungen von Mädchen lesen, die sich beim Walzer tot getanzt hätten. Der Walzer wurde nicht nur in den Kirchen verdächtigt, Sitte und Moral zu zersetzen. In manchen Gegenden verbot ihn gar die Obrigkeit. Doch alle erhobenen Zeigefinger und Strafen konnten die rasante Ausbreitung des Walzers nicht verhindern. Mit dem Wiener Kongress begann der unaufhaltsame Triumphzug des Walzers auf internationalem Parkett.

Der Walzer ist tänzerisch die erste Manifestation des Individualismus. Was bei Martin Luther begann, der mit der Berufung auf die Freiheit des Gewissens dem Individuum den absoluten Vorrang gab, und was sich politisch in der Französischen Revolution mit den Forderungen nach Freiheit und Gleichheit fortsetzte, das realisierte der Walzer auf der Tanzfläche: Er war soziale Umwertung und Neuordnung im Medium des Tanzes. Er löste eine friedliche gesellschaftliche Revolution aus. Standesschranken riss er ein, indem Adelige, Bürger und Arbeiter beim Drehen im Dreivierteltakt soziale Herkunft und Vorurteile vergaßen. Der Walzer brachte als erster Gesellschaftstanz Massen von frei tanzenden Individuen hervor, die sich in ununterbrochenen Drehungen der Tanzekstase hingaben. Klassenunterschiede wurde durch den gemeinsamen Genuß der rauschartigen Kreisbewegungen gleichsam mit zentrifugaler Kraft hinweggeschleudert.

Walzer trifft hier Bibel. Sie sagt: Für Gott gibt es nicht Menschen erster und zweiter Klasse. Seine Liebe kennt keine sozialen Schranken. Auch keine nationalen, kulturellen oder religiösen Grenzen. Ich sage das bewußt auf dem Hintergrund, dass neuerdings wieder eine große Partei in unserem Land die Religionsfreiheit einschränken möchte. Alle Menschen sind gleich geschaffen. Alle sind gottähnlich. Als tänzerisches Gleichnis hierfür steht der Walzer.

Quelle: Markus Fuchs
Allerdings hakt das Gleichnis an einer zentralen Stelle. Bei der heiklen Frage, wer beim Tanz führt. Gott hat Mann und Frau gleichberechtigt erschaffen. Indes, der Walzer ist wie die anderen Paartänze patriarchal. Der Mann führt, die Frau folgt! Freilich, es gibt auch eine Tanz-Szene, bei der die traditionelle Geschlechterrolle beliebig gewechselt wird: beim Queer-Tango. Wir werden nachher hierzu einen Tangowalzer sehen. Getanzt von zwei Frauen. Achten Sie auf das kunstvolle Zusammenspiel, wenn die beiden Tänzerinnen die Führungsrolle abwechseln.

Warum Tanz? - Der Mensch ist ein mystisches Tier! So hieß es vor kurzem beim Kulturgespräch der Stadt Heidelberg. Ein mystisches Tier. Ein Tier ist in seinen Impulsen und Instinkten unkontrollierbar. Ein mystisches Tier ist etwas, das sich sehnt aus dem Alltag auszubrechen und eine transzendente Welt zu berühren. Taumel und Verzückung sind Brücken in die Überwelt. Doch genau dies Animalische und Unkontrollierbare hat den Kirchen immer Angst gemacht. Und dafür steht im Besonderen dieses Gotteshaus, in dem wir heute Walzer und morgen Tango tanzen. In der Mitte des 16. Jahrhunderts ließ ein streng calvinistisch-reformierter Kurfürst nicht nur alle Bilder in der Heilggeistkirche entfernen, sondern auch die Orgel. Musik aller Art und selbst das Singen war fortan verboten, allein der einstimmige Psalmengesang erlaubt. Musik war hochverdächtig, Tanz undenkbar, Ekstase und Entrückung ein Sakrileg. Das Wort in Rein-Form und ohne jeden Zusatz sollte die einzige Brücke ins Jenseits sein. Der Mensch wurde völlig reduziert auf ein denkendes Wesen. Das ist er - aber er ist auch mehr! Die Angst vor dem Animalischen und die Verkürzung des Menschen auf den Verstand war ein verhängnisvoller Fehler!

Quelle: Markus Fuchs

Vergessen war der lebenshungrige Jesus, vergessen das sinnenfreudige Alte Testament. "Tanzen hat seine Zeit", heißt es dort pointiert. Tanz ist im alten Israel wesentlicher Bestandteil von Feste und Hochzeitsfeiern, Ausdruck der Freude und der puren Lust am Leben. Es sei nur König David genannt, der halbnackt und verzückt vor der Bundeslade tanzte.

Zur Zeit als der Walzer seinen Siegeszug in Europa hielt, studierte Ludwig Feuerbach in Heidelberg Theologie. Er war abgestoßen von der vernünftigen Theologie, die hier gelehrt wurde. Das Fundament seiner späteren Philosophie ist konträr: Der Mensch ist ein sinnliches Wesen. Und ich ergänze als Pfarrer: Der Mensch ist von Gott sinnlich erschaffen worden. Er braucht die körperliche Berührung und das Anfassen. Alle Menschen sind darauf angewiesen. Auch Menschen mit Behinderungen. Alle Menschen sind sinnliche Wesen und der Tanz ist entsprechend für alle da! Menschen sind sinnliche und mystische Geschöpfe. Die Sinnlichkeit ist eine Brücke in die mystische Welt. Die Musik erreicht verborgene Schichten in uns, die für den Verstand unzugänglich sind. Der Tanz kann uns durch pulsierenden Rhythmus, Wirbel und Rausch auf Engelsfüßen in das verlorene Paradies zurückbringen. Musik und Tanz sind ein Stück vom Himmel. Nietzsche hat einmal gesagt: "Damit es Kunst gibt, damit es irgendein ästhetisches Tun und Schauen gibt, dazu ist eine physiologische Vorbedingung unumgänglich: der Rausch." In der Kirche nennen wir Rausch und Ekstase "Heiliger Geist". Und diese Kirche ist dem Heiligen Geist gewidmet!

Quelle: Citykirche
Nochmals, warum also Tanz? Hier, ausgerechnet in dem Gotteshaus mit reformiert-calvinistischer Tradition? Weil die Leibfeindlichkeit ein Irrweg war und dem Heiligen Geist Hausverbot erteilt hat! Der Mensch ist von Gott vernunftbegabt, sinnlich und mystisch geschaffen worden. Der Heilige Geist erfasst Tiefenschichten in diesem mystischen Tier und entrückt es in Musik, Tanz und Taumel in himmlische Sphären.. .

Alles Walzer! Wenn dieses militärgleiche Kommando heute in einem Ballsaal erklingt, dann verwandelt der Dreivierteltakt im nächsten Augenblick die Menschen auf dem Parkett in eine wirbelnde Menge. Die Konturen der Frauen in Abendkleidern und der Männer in Anzügen verschwimmen zu einem kreisenden Tumult der berauschten Masse. Es ist, als versinke die Welt in einem Walzerhimmel. Für alle Tänze, aber ganz besonders für den Walzer gilt:
Tanz ist der gesündeste Rausch, den Gott geschaffen hat!
 

Tango-Messe "Tanzen hat seine Zeit"

Quelle: Sabine Hebbelmann
In der Heiliggeistkirche fand an Christi Himmelfahrt 2015 ein Gottesdienst mit Tango-Musik und Tanz statt.
Musikalisch war die Tango-Messe "Tanzen hat seine Zeit" von Johan-Magnus Sjöberg zu hören. Der Komponist dirigierte auch selbst den Allhelgonachor Lund (Schweden), der zusammen mit der Heidelberger Studentenkantorei die Messe im Tango-Stil aufführte.
Ellinor Westrup und Daniel Carlsson tanzten argentinischen Tango. Die Texte der Tango-Messe stammten von Pastorin Kerstin Hesslefors Persson, die den Gottesdienst auch zusammen mit Pfarrer Vincenzo Petracca deutsch-schwedisch gestaltete.
Am Ende des Gottesdienstes tanzten  Gottesdienstteilnehmende selbst Tango im Chorraum der Heiliggeistkirche. Auch die Liturgen Pastorin Persson und Pfarrer Petracca tanzen zusammen Tango.

„Das Wort wohnt im Leib, in Haltung und Ausdruck“ - Ein Tango-Gottesdienst mit Chor und Tänzern aus Schweden wird an Himmelfahrt in Heiliggeist gefeiert

Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung am 11. Mai 2015 von Sabine Hebbelmann

Quelle: www.heidiriesfotografie.de
Sehnsucht, Wehmut, Lust – als der Tango um 1900 zum Modetanz wurde, bezeichnete Papst Pius X. ihn als sündhaft und verbot ihn den Gläubigen. Dass er dieses Verbot letztlich nicht aufrecht hielt, ist dem argentinischen Tangotänzer Casimiro Aín zu verdanken. Es heißt, dieser habe mit einer Botschaftssekretärin vor dem Heiligen Stuhl getanzt und so den Papst zur Rücknahme des Dekrets bewegt.

Heute entdeckt die Kirche den Tango für sich als eine Möglichkeit, angesichts schwindender Bedeutung Menschen neu und anders zu erreichen. So auch in der evangelischen Heiliggeistkirche in Heidelberg, wo an Christi Himmelfahrt, 14. Mai, 11 Uhr, ein Gottesdienst mit Tangomusik und Tanz stattfindet. Der Allhelgonachor Lund aus Schweden führt zusammen mit der Studentenkantorei und Instrumentalisten die Tangomesse „Tanzen hat seine Zeit“ von Johan-Magnus Sjöberg auf. Der Komponist ist zugleich der Chorleiter des schwedischen Chores, mit dem die Studentenkantorei seit Jahren eine Chorpartnerschaft pflegt.

Quelle: Sabine Hebbelmann
Die schwedischen Tänzer Ellinor Westrup und Daniel Carlsson tanzen argentinischen Tango und am Ende des Gottesdienstes, der von Pfarrer Vincenzo Petracca geleitet wird, darf selbst in der Kirche Tango getanzt werden. „Ich finde, man sollte das Evangelium sinnlich kommunizieren“, sagt Petracca, der 2012 in der Melanchthongemeinde Mannheim schon einmal einen Tango-Gottesdienst gefeiert hatte und der gleich offen für die Idee war. Der Mensch sei ein ganzheitliches Wesen. „Wenn man immer nur die Predigt betont, kommen andere Seiten zu kurz.“

Das Hohelied der Liebe sei voller Erotik und Sinnlichkeit. Doch es gebe schon im Alten Testament und vor allem im Neuen Testament leibfeindliche Tendenzen. „Der Körper ist kein Unfall der Schöpfung, Gott hat den Menschen als sinnliches Wesen geschaffen“, betont Petracca. Mit der Diffamierung der Lust habe die Kirche Schreckliches angerichtet.

Quelle: www.heidiriesfotografie.de
„Der Tanz beschwingt und befreit die Seele“, sagt Petracca. Der Tango sei ein Tanz voller Sehnsucht, entstanden in Argentinien in einer multikulturellen Umgebung, in der sich die Europäer heimatlos gefühlt hätten. Die Sehnsucht bezeichnet der Pfarrer als ein zentrales theologisches Thema. „Es ist eine der Säulen des christlichen Lebens, dass wir mit dem Leben, das wir hier leben, nicht zufrieden sind.“ Sehnsucht und Sinnlichkeit höre man in der Tangomusik, aber nicht nur da. „Wenn Sie an Karfreitag die Matthäuspassion singen, kommunizieren Sie auf der sinnlichen Ebene. Das spricht die Menschen in tieferen Schichten an, als das Wort es kann“, erläutert er.

Als Einrichtung der Evangelischen Kirche in Heidelberg verbindet die Citykirche an Heiliggeist Themen aus Kultur, Politik, Diakonie und Wissenschaft mit einer religiösen Perspektive. „Wir wollen bewusst Menschen am Rand der Kirche mit unkonventionellen Gottesdiensten ansprechen“, so Petracca. Geplant sind ein Theatergottesdienst zusammen mit dem städtischen Theater, ein Kunstgottesdienst mit dem Neuenheimer Künstler Siegfried Angermüller, ein Gottesdienst mit Beatles-Songs zum Mitsingen und ein Kneipengottesdienst, für den noch eine Altstadt-Kneipe gesucht wird.


 
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