Pfarrer Maximilian Heßlein über die Entwicklungen und Planungen in der Christus-Luther-Markus-Gemeinde

Heidelberg, 17.05.2019. Sieben Wochen jung ist die am 31. März in einem feierlichen Gottesdienst zusammengeschlossene Christus-Luther-Markus-Gemeinde nun. Wochen, in denen sich viel getan hat in der mit rund 7500 Gemeindemitgliedern nunmehr zahlen- und flächenmäßig größten Gemeinde im Kirchenbezirk Heidelberg. Aus diesem Anlass sprach die Pressesprecherin der Evangelischen Kirche in Heidelberg Karin Wilke mit Pfarrer Maximilian Heßlein über die Entwicklungen und Planungen in der Gemeinde (im Folgenden CLM abgekürzt).

KW: Herr Heßlein, im Moment arbeiten Sie in CLM noch mit Pfarrerin Christiane Bindseil zusammen, die im Sommer nach Kirchheim gehen wird. Zukünftig soll es für die neue Gemeinde drei volle Pfarrstellen geben, eine davon werden weiterhin Sie ausfüllen. Wie ist der aktuelle Stand der Bewerbungen auf die beiden ausgeschriebenen Pfarrstellen?

MH: „Zunächst einmal bin ich sehr dankbar, dass Gemeindediakon Tobias Bade, Christiane Bindseil und ich bei allen Aufgaben und Herausforderungen unseres Zusammenschlusses jetzt noch so intensiv zusammenarbeiten können. Das sei auch der Kirchheimer Gemeinde gedankt, die sich mit dem Arbeitsbeginn von Frau Bindseil im September einverstanden erklärt hat.

Wir leben ja in einer kulturell sehr stark ausdifferenzierten Gesellschaft. Das hat nicht nur mit den vielen Menschen zu tun, die in Deutschland eine neue Heimat finden, sondern ganz stark auch mit den verschiedenen Lebensentwürfen, die Menschen heute in allen Altersstufen pflegen. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr viel entwickelt und gewandelt. Die Kirche hat es nicht immer geschafft, mit dieser Entwicklung Schritt zu halten und ihre Botschaft in der Lebenswelt der Menschen zu verankern. Deswegen haben wir die drei Pfarrstellen unserer Gemeinde mit verschiedenen Schwerpunkten versehen.

Für den klassischen Gemeindeaufbau mit liturgischem Schwerpunkt werde auch in Zukunft weiterhin ich zuständig sein. Die Aufgaben der Pfarrstelle II haben wir mit „Seelsorge in die Welt hinein“ umschrieben. Hier soll der Schwerpunkt auf dem Kontaktknüpfen mit Menschen liegen, die von Kirche heute nichts mehr wissen oder die mit der Kirche nichts mehr anfangen können. Auf diese Stelle haben wir zwei Bewerbungen erhalten. Beide werden sich in einem Bewerbungsgottesdienst in der Christuskirche am 19. und am 26. Mai der Gemeinde vorstellen.

Die Pfarrstelle III „neue Gemeindeformen“ befasst sich vor allem mit der Entwicklung neuer Gemeinschafts- und Ausdrucksformen der Kirche, besonders für junge Menschen und Familien, aber auch die Älteren wollen wir nicht aus dem Blick verlieren. Hier streben wir eine enge Zusammenarbeit mit dem CVJM an. Auf diese Stelle hat sich eine Pfarrerin beworben, die sich der Gemeinde in einem Gottesdienst am 2. Juni vorstellen wird. Wo genau dieser stattfindet, müssen wir noch abstimmen. Mein Wunsch wäre, dass wir die beiden Pfarrstellen zum 1. September neu besetzen können, aber das hängt natürlich vom Ausgang der Wahl und auch von der Verfügbarkeit der Kandidatinnen ab.“

KW: Wo werden denn die Pfarrstellen und auch die CLM Gemeinde nun räumlich verortet sein?

MH: „Eine feste geografische Verortung an einem Ort wird es für die einzelnen Pfarrstellen so nicht mehr geben, denn wir wollen in allen vier Stadtteilen wirken und da auf die Menschen zugehen. Genau deswegen haben wir ja die Schwerpunkte gesetzt.

Zu unserem Team gehören auch die beiden Gemeindediakone Tobias Bade, der schwerpunktmäßig in der Kinder- und Jugendarbeit tätig ist, und Gert Hartkorn, der eigentlich vorwiegend für den HALT. in der Bahnstadt zuständig ist. Das Pfarramt hat seinen Sitz nun im Haus der Christuskirche und mit unseren beiden Pfarramtssekretärinnen Christine Theiß und Susanne Biller können wir mit täglichen Öffnungszeiten, derzeit von 9 bis 12 Uhr, sehr zuverlässig für alle Gemeindemitglieder da sein. Die meisten Anfragen laufen ohnehin übers Telefon oder E-Mail, die unsere beiden Sekretärinnen meist prompt beantworten können.

Wo genau die beiden neuen Pfarrerinnen ihr Büro haben werden, wissen wir noch nicht. Das entscheiden wir dann, wenn die beiden Pfarrerinnen da sind.“

KW: Stichwort Räume, wo werden Sie denn zukünftig Ihre Gottesdienste abhalten? Das Lutherzentrum wird ja vom Stadtkirchenbezirk zukünftig an die Hosanna Gemeinde vermietet und fällt als Standort für CLM in Bergheim weg.

MH: „Uns bleiben für unsere Gottesdienste als Gebäude die Christuskirche und das Markushaus als gesetzte kirchliche Orte erhalten. Beide Orte haben ihren je eigenen Charme und ihre je eigenen Stärken für die Gestaltung bestimmter Gottesdienstformen. Wo wir was machen werden, wird jetzt in einem eigenen Gottesdienstkonzept erstellt. Wichtig scheint mir in unserer großen Gemeinde zu sein, dass wir verlässliche Orte für unsere Gottesdienste haben. Die Menschen sollten wissen, wenn ich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit an einen bestimmten Ort gehe, dann finde ich da den Gottesdienst, zu dem ich will.

Aber natürlich wird uns das Lutherzentrum als fester Standort in Bergheim sehr fehlen. Für die ehemalige Luthergemeinde ist der Einschnitt sicherlich am größten und der Abschied von den vertrauten Räumen wird so manchem Gemeindeglied beim offiziellen Abschiedsgottesdienst am Pfingstsonntag schwerfallen. Gemeinsam wollen wir Konzepte für neue Angebote an ganz neuen Standorten entwickeln. Das könnte zum Beispiel ein Taufgottesdienst unter freiem Himmel am Iqbal-Ufer sein, es gibt ja bereits die „Neckarorte“, die von diversen Initiativen belebt und genutzt werden. Oder ein Gottesdienst, eine Veranstaltung in der Alten Feuerwache in der Karl-Metz-Str., auch eine Kooperation mit der Halle 02 wäre von unserer Seite aus denkbar. Ideen und Möglichkeiten gibt es da sicherlich viele, auch die Stadt könnten wir uns als Kooperationspartner, zum Beispiel in der Bahnstadt, gut vorstellen. Übrigens hat sich die Kooperation mit dem Bahnstadtverein für uns an der einen oder anderen Stelle schon sehr bewährt.

Wichtig ist mir bei alledem, dass unsere Angebote qualitativ so hochwertig wie nur irgend möglich sind. Als Kirche möchten wir ein Höchstmaß an Qualität bieten, mit dem wir Menschen auf der Suche nach Gott und Gemeinschaft ansprechen und auch gerecht werden können.“

KW: In der Bahnstadt leben viele neu nach Heidelberg Hinzugezogene, vor allem junge Familien. Wie wollen Sie diese Menschen, die zum Großteil in gar keiner Kirche mehr Mitglied sind, ansprechen?

MH: „Das ist eine große Herausforderung, nicht nur in der Bahnstadt. Die Kirche hat in dieser Zeit die Aufgabe, beweglich zu werden und nicht starr an ihren Plätzen zu verharren. Ich glaube, es ist sinnvoll, wenn wir den Kontakt zu den Menschen an Orten suchen, wo sie sich gerne aufhalten, dazu gehören Spielplätze oder auch Wochenmärkte. Vorstellen kann ich mir, während des Wochenmarktes auf dem Gadamer Platz zukünftig Tische und Stühle vor dem HALT aufzubauen, ein paar Becher und eine Kanne Kaffee hinzustellen und mit den Menschen auf dem Markt ins Gespräch zu kommen – über Gott und die Welt …

An Christi Himmelfahrt feiern wir einen Open-Air Gottesdienst auf dem Gadamer Platz und hoffen, dass das Wetter mitspielt und sich möglichst viele Menschen von unserer Einladung angesprochen fühlen. Bei Regen können wir ins B³ ausweichen, schlechtes Wetter sollte also niemanden abschrecken, zu kommen und mit uns zu feiern. Am 21. Juli ist ein weiterer ökumenischer Gottesdienst auf dem Gadamer Platz geplant. In den vergangenen Jahren fand dieser letzte Gottesdienst vor den Sommerferien immer auf dem Wilhelmsplatz oder vor der Bonifatiuskirche statt, in diesem Jahr haben wir uns bewusst für die Bahnstadt entschieden.“

KW: Auch in der Südstadt wird es auf den Konversionsflächen zukünftig viele neue Mitbürger in Heidelberg geben, was plant die Evangelische Kirche hier für Angebote?

MH: „Wir haben im Stadtkirchenrat gemeinsam ein Konzept zu „Kirche in den neuen Stadtteilen“ entwickelt, in dem wir genau diese Überlegungen anstellen. Das Markushaus in der Rheinstraße ist ein toller Standort für unsere neuen Angebote in der Südstadt und wir hoffen, dass die Römerstraße zukünftig die beiden Konversionsareale nicht mehr trennt, sondern dass durch ein gutes Verkehrskonzept eine Anbindung an die „alte“ Südstadt erleichtert wird. Unsere weiteren Planungen sind über die Homepage der EKiHD einsehbar.

KW: CLM ist ja nur ein vorläufiger Name. Zum Zusammenwachsen von drei Gemeinden gehört neben dem Verschmelzen von Ältestenkreisen und organisatorischen Rahmenbedingungen auch ein neuer Name, wie und bis wann wollen Sie diesen finden?

MH: „Rein formal haben wir seit unserem Zusammenschluss am 1. April nun ein Jahr Zeit für die Namensfindung. Dann brauchen wir ein neues Siegel, also Ende März 2020. Wir hoffen natürlich, dass dieser Prozess nicht ganz so viel Zeit brauchen wird. Wir haben eine Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus allen drei ehemaligen Gemeinden gebildet, die mit guter Gemeindebeteiligung und größtmöglicher Transparenz an der Namensfindung arbeitet. Den Startschuss haben wir für den Pfingstsonntag geplant. Aber der neue Name ist ja nur ein Teil unseres Zusammenwachsens. Auch die drei Ältestenkreise wurden zusammengeschlossen, derzeit fällen wir alle Entscheidungen für unsere Gemeinde mit über 30 Ältesten, was erfreulich gut klappt. Nach den Wahlen am 1. Dezember wird das anders, dann gibt es „nur“ noch 16 Älteste und die jeweiligen Pfarrer und Gemeindediakone im Ältestenkreis.

Auch für unseren Gemeindebrief müssen wir zukünftig einen neuen Namen finden, unsere erste Ausgabe, die wir gerade an 5000 Haushalte ausgeteilt haben, heißt derzeit nur „Gemeindebrief Sonderausgabe“. All diese Prozesse brauchen enorm viel Organisation und auch Geld. Man glaubt immer, Fusionen würden aus Kostengründen durchgeführt, um Geld zu sparen. Das trifft – zumindest für die ersten Jahre nach dem Zusammenschluss – jedoch nicht zu. Im Gegenteil, damit unser Zusammenwachsen und auch die Entwicklung neuer Gemeindeformen gelingen können, müssen wir investieren: nicht nur unsere Zeit, unseren guten Willen und unser Know-How – sondern auch Geld. Aber ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

Wissen Sie, in der Apostelgeschichte heißt es: Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Das hat die Kirche seit 2000 Jahren ausgemacht. Das wird sie auch in 2000 Jahren noch ausmachen. Wir wollen einen kleinen Teil dazu beitragen, dieses Erbe zu pflegen und mit ihm die Zukunft zu Gottes Ehre und für die Menschen, die in unserer Gemeinde leben, zu gestalten.“

KW: Herr Heßlein, herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch!

Lesen Sie hier das Konzept "Kirche in den neuen Stadtteilen"